02.03.2020

Nordafrika: Christ aus Deutschland war 47 Tage entführt

„Sam“ wurde geschlagen und mit dem Tode bedroht

Braunfels (idea) – Nach 47 Tagen in den Händen muslimischer Entführer in einem nordafrikanischen Land ist ein christlicher Sprachlehrer Anfang 2020 freigelassen worden. Das berichtete der Betroffene auf den „Tagen der verfolgten Gemeinde“ der Hilfsaktion Märtyrerkirche (HMK), die vom 26. Februar bis 1. März im mittelhessischen Braunfels stattfanden. Der 34-Jährige, der sich als „Sam“ vorstellte, gab aus Sicherheitsgründen nicht seinen Nachnamen an, ebensowenig das Land, in dem sich der Vorfall ereignete. Wie er einräumte, ist für seine Freilassung eine Lösegeldzahlung erfolgt. Über die Höhe sagte er nichts.

Aktiv in einer Sprachschule

Wie er und seine Frau „Pia“ berichteten, hatten sie beide vor eineinhalb Jahren geheiratet. Sie seien bereit gewesen, für ihren christlichen Glauben auch Entbehrungen und Leid in Kauf zu nehmen, erläuterten sie den rund 200 Besuchern. Ziel ihres Einsatzes sei es gewesen, dass in dem islamischen Land „Menschen von Jesus Christus hören“ und die wenigen Christen dort ermutigt würden. Weil Mission offiziell verboten sei, habe „Sam“ eine Sprachschule gegründet. Wie er berichtete, war er während einer Dienstfahrt mit seinem Wagen angehalten und entführt worden. Sein Auto wurde später ausgebrannt aufgefunden. Im Kofferraum eines anderen Fahrzeugs sei er an einen unbekannten Ort gebracht worden. Dort sei er geschlagen, gefoltert und mit dem Tode bedroht worden. Ihm sei vorgeworfen worden, ein Spion zu sein. Zugleich habe er sich an einen Bibelvers aus Psalm 34,18 erinnert: „Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr und errettet sie aus all ihrer Not.“ Das habe ihn ermutigt. Wie seine Frau berichtete, ist während der Zeit der Entführung ein Schüler ihres Mannes Christ geworden. Das sei für sie eine große Ermutigung gewesen: „Geistliche Frucht zu sehen mitten im Leid, das ist Gnade.“ Wie „Sam“ weiter berichtete, war es ihm ein Anliegen, auch gegenüber den Entführern durch sein Verhalten Gott zu ehren. Das sei ihm aber nicht immer gelungen, räumte er ein. Er habe sehr oft Angst gehabt. Dennoch habe es ihn gefreut, als einer der Entführer ihm gegenüber am Ende der Gefangenschaft bekannt habe, er sei „in Ordnung“. Wie es in Braunfels hieß, wird das Ehepaar nicht in das nordafrikanische Land zurückkehren.

Missionsleiter: „Gott hat alles im Griff“

HMK-Missionsleiter Manfred Müller (Uhldingen/Bodensee) rief zum Gebet für ein muslimisches Land im Nordwesten Afrikas auf, das er aus Sicherheitsgründen nicht nannte. Es sei zu 100 Prozent muslimisch geprägt. Es gebe nur ganz wenige Christen dort. Zwei, die er dort kennengelernt hatte, seien unmittelbar nach seiner Abreise verhaftet worden. „Das zu ertragen, ist schwer“, bekannte Müller unter Tränen. Dennoch dürften Christen davon ausgehen, dass „Gott alles im Griff hat“. Zwar könnten „Gottes Diener“ sterben, doch Gottes Werk gehe weiter. Nach Müllers Angaben betreibt das Missionswerk 140 Projekte in 45 Ländern, in denen Christen verfolgt werden. Ziel sei es, der christlichen Minderheit beizustehen: „Überall in der muslimischen Welt ist Christenverfolgung.“ Die HMK wurde auf Initiative des rumänischen Pastors Richard Wurmbrand (1909–2001) gegründet, der selbst unter teils schwerster Folter über 14 Jahre in kommunistischen Gefängnissen verbracht hatte, bevor er von Christen aus dem Westen freigekauft werden konnte.