02.04.2020

Israel: Judenfeindliche Verschwörungstheorien boomen

Viele Internetnutzer sehen Juden hinter der Corona-Krise. Das zeigen antisemitische Beiträge in den sozialen Medien. Die Palästinensische Autonomiebehörde behauptet Israel nutze das Virus gegen Palästinenser.

JERUSALEM (inn) – Die weltweite Verunsicherung durch das Coronavirus bringt antisemitische Hassrede und Karikaturen hervor. Darauf weist das israelische Außenministerium in einem internen Bericht hin. Es hat die diplomatischen Vertretungen aufgefordert, die Entwicklungen in ihren jeweiligen Ländern zu verfolgen. Wenn sie auf derartige Veröffentlichungen stoßen, sollen sie die Regierungen und die sozialen Netzwerke entsprechend informieren, damit diese reagieren können.

In einem englischsprachigen Post heißt es etwa, Juden seien „der größte Parasit / Virus, der die ganze Welt bedroht“. Sie seien das Coronavirus COVID-19 und „die Synagoge des Satans“. Auch Ausdrücke wie „jüdisches Virus“ – sogar auf Englisch als Hashtag – oder „israelisches Virus“ finden sich im Internet.

Der Bericht der Abteilung für den Kampf gegen Antisemitismus macht judenfeindliche Hassrede vor allem in den USA, Frankreich und Deutschland aus, aber auch in der islamischen Welt. Über Twitter und Telegram wurden demnach Karikaturen verbreitet, die ein israelisches Flugzeug zeigen. Dieses überschüttet die Menschen am Boden mit dem Virus. In arabischen Netzwerken sind israelische Flaggen zu sehen, bei denen der Davidstern durch ein Corona-Symbol ersetzt wurde.

Auch der Vorwurf, Israel habe schon einen Impfstoff und werde daraus Kapital schlagen, ist zu lesen. Im Gegenzug heißt es, Israelis wollten das Virus verbreiten, um die Weltbevölkerung auszudünnen. Hinzu kommt eine Verbindung zur Leugnung der Scho’ah, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet. Im Hinblick auf die Zahlen der Toten in China wird behauptet, im Holocaust könnten nicht so viele Juden ermordet und verbrannt worden sein. Ferner gibt es Anklänge an das antisemitische Pamphlet „Protokolle der Weisen von Zion“, das Juden beschuldigt, die Weltherrschaft anzustreben.

Kein Ende der Hasskommentare in Sicht

Der Leiter der zuständigen Abteilung im Außenministerium, Ran Ja’akobi, hat sich nach eigenen Angaben bereits an Facebook, Twitter, Telegram, Reddit und YouTube gewandt. Teilweise hätten die sozialen Netzwerke versprochen, die Beiträge zu überprüfen und bei Bedarf zu entfernen. Andere hätten freundlich mitgeteilt, sie hätten derzeit viel zu tun wegen der Corona-Krise und nicht genügend Personal, um einzuschreiten.

Ja’akobi warnte vor weiteren antisemitischen Auswüchsen nach der Corona-Krise: „Wir haben erste Informationen über Leute, die Materialien sammeln, um zu wissen, welche Besitzer der großen Unternehmen in der amerikanischen und der europäischen Wirtschaft Juden sind, damit sie, wenn es eine Wirtschaftskrise gibt, dafür die Juden beschuldigen können. Einerseits beschuldigt man sie, Geld auf Kosten der Krise zu machen. Andererseits wird man, wenn es kein Geld gibt, sagen, dass sie die wirtschaftliche Lage verschlimmern.“

Antisemitismusbeauftragter Klein: Nährboden für Judenhass

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat ebenfalls vor judenfeindlichen Verschwörungstheorien gewarnt. In einem Interview, das der „Tagesspiegel“ am 25. März online veröffentlichte, wies er auf das Klima der allgemeinen Verunsicherung hin. Dieses sei ein idealer Nährboden für die Beschuldigung einzelner Personengruppen. „Es überrascht leider nicht, dass Juden und Israel Hauptziele sind. Antisemitische Hassreden verbreiten sich schnell im Internet und dort insbesondere auf den gängigen Social-Media-Plattformen.“

Klein führte Beispiele an: „Die Rede ist da von einer jüdischen Übernahme der Weltwirtschaft, jüdischen Gewinnen aus einem möglichen Impfstoff, von Israel entwickelten Biowaffen, oder einem jüdischen Versuch, die Weltbevölkerung zu reduzieren. Krudester Antisemitismus bricht sich Bahn.“ Er rief die Bürger auf, die Betreiber der Plattformen zu informieren, wenn ihnen derlei Hassrede auffalle.

 

PA: „Am Rande eines Holocaust gegen Palästinesner“

Doch nicht nur Nutzer von sozialen Medien in aller Welt hetzen in diesen Tagen gegen Juden. Auch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) veröffentlicht immer wieder Anschuldigungen gegen Israel. Darauf weist das Institut „Palestinian Media Watch“ (PMW) hin. So stellte am 23. März eine Karikatur in der PA-Zeitung „Al-Hajat al-Dschadida“ israelische Sicherheitskräfte als Coronavirus dar. Ein Gefängniswärter trägt eine grüne Uniform und einen Helm mit Noppen, die an Corona erinnern. Er ist mit einem Sturmgewehr bewaffnet und führt einen palästinensischen Häftling an einem Seil mit sich.

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