03.02.2020

Deutschland: Bundestagung des Arbeitskreises Christlicher Publizisten (ACP)

Christen sollten sich an der öffentlichen Kritik an der katholischen Kirche nicht beteiligen.

Kassel (idea) – Christen sollten sich an der öffentlichen Kritik an der katholischen Kirche nicht beteiligen. Dazu hat der Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, Anba Damian (Höxter), auf der Bundestagung des Arbeitskreises Christlicher Publizisten (ACP) am 1. Februar in Baunatal (bei Kassel) aufgerufen. Man dürfe die katholische Kirche nicht allein unter dem Gesichtspunkt des Missbrauchsskandals sehen: „Die katholische Kirche hat wunderbare Aspekte. Sie ist ein Ort der Freude. In ihr wirkt der Heilige Geist“, so Damian vor 120 Besuchern. Kritik dürfe zwar geäußert werden, „aber nur unter vier Augen“.

Rückendeckung für as-Sisi

Damian sprach auch über die Lage der rund zehn Millionen Kopten in Ägypten, die unter den 98 Millionen Einwohnern Ägyptens die größte religiöse Minderheit bilden. Seit der Machtübernahme im Jahr 2013 durch den früheren Militärchefs Abd al-Fattah as-Sisi habe sie sich leicht verbessert. Als Präsident besuche as-Sisi regelmäßig einen Weihnachtsgottesdienst der Christen. Zudem begegne er ihnen mit Respekt. Auch befürworte er Reformen im Islam. In dem Zusammenhang verteidigte Damian die Auszeichnung as-Sisis mit dem St.-Georgs-Orden durch den Dresdner Semperopernball. Eine Delegation hatte ihm die Auszeichnung am 26. Januar in der Hauptstadt Kairo übergeben. Damit werde ein Staatsmann geehrt, der „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents ist“, hieß es zu Begründung. Nach heftiger Kritik an der Ehrung hatte sich Ballvereins-Chef Hans-Joachim Frey für die Verleihung entschuldigt und davon distanziert. Das sei falsch gewesen, so Damian. Stattdessen müsse man as-Sisi auf seinem Weg hin zu einem modernen Islam in Europa noch viel öfter auszeichnen.

Generalleutnant: Kritik am Bundeswehreinsatz in Afghanistan

Der Generalleutnant a. D. der Luftwaffe, Joachim Wundrak (Wölpinghausen bei Hannover), äußerte sich kritisch über den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Er selbst war 2011 zehn Monate lang als stellvertretender Luftwaffen-Kommandeur der internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) in Kabul stationiert. Das Ziel, dort eine demokratische Gesellschaft nach westlichem Vorbild aufzubauen, sei „weitgehend gescheitert“. Der Deutsche Bundestag müsse sich klar darüber werden, welche Ziele Deutschland weiterhin in dem Land verfolge. Die Entscheidung, dort Waffeneinsätze mit Toten auf beiden Seiten anzuordnen, habe ihm oft schlaflose Nächte bereitet. Wundrak bekannte sich zum christlichen Glauben. Zwar sei er aus der katholischen Kirche ausgetreten, doch wisse er sich weiter dem christlichen Menschenbild verpflichtet. Glaube, Liebe und Hoffnung seien christliche Werte, die ihn ermutigt hätten, sich als Militär für eine freiheitliche Gesellschaft einzusetzen. Wundrak wurde vom ACP mit einer Respektzuweisung ausgezeichnet, weil er sich im Ruhestand kommunalpolitisch engagiere.

Einseitige Berichterstattung über Israel

Der ACP-Vorsitzende Prof. Friedrich Wolf (Aalen) kritisierte die Berichterstattung der deutschen Medien über Israel als unausgewogen. So werde fast immer der Eindruck erweckt, als gehöre das Westjordanland den Palästinensern und die israelischen Siedlungen dort seien illegal. Tatsächlich aber hätten es die Palästinenser 1947 abgelehnt, dort einen eigenen Staat zu gründen, weil sie gegen einen Staat Israel als Nachbarn gewesen seien. Bis 1967 habe das Territorium dann Jordanien gehört. Es sei im Sechs-Tage-Krieg von Israel erobert worden. Doch Jordanien wolle das Gebiet gar nicht zurückhaben. Wolf empfahl, sich in englischen oder französischen Nachrichtensendungen zu informieren.

 

Nichts ist wichtiger als die Familie

Der stellvertretende ACP-Vorsitzende, der Richter am Oberlandesgericht Peter Rohde (Bückeburg), unterstrich die Bedeutung der Familie. In 95 Prozent aller Verfahren, über die er zu urteilen habe, hätten sich die Eltern der später straffällig gewordenen Personen scheiden lassen. Die Kinder seien dann vernachlässigt worden. Rohde rief dazu auf, christliche Werte in der Familie zu leben und sich durch sie prägen zu lassen. Das geschehe am besten durch Hausandachten sowie christliche Bücher und Filme. Bis zum zwölften Lebensjahr könne man Kinder auf diese Weise zur Ehrfurcht vor Gott erziehen, sagte Rohde. Defizite in dem Bereich könne der Staat kaum ausgleichen. Ähnlich äußerte sich der Präsident der Bewegung „Christen im Beruf“, der Kaufmann Andreas Schreiber (Anklam). Es gebe nichts Wichtigeres, als die Familien durch christliche Werte zu stärken. Dieses Ziel verfolgten auch die rund 100 Ortsgruppen der „Christen im Beruf“. Manche der Gruppen erreichten mit ihren Themenabenden, verbunden mit einem guten Essen, jedes Mal bis zu 250 Interessenten: „Unser Volk muss es wieder lernen, sich auf Gott zu besinnen.“

Unternehmer: China strebt die Weltherrschaft an

Der Bischof der Anglikanischen Kirchen in Deutschland, Gerhard Meyer (Schwarzenborn bei Kassel), sagte, dass zwei Drittel der 80 Millionen Anglikaner weltweit bibeltreu seien. Sie könnten den liberalen Kurs der offiziellen Leitung der Kirche nicht mittragen. Ihre Vertreter würden sich im Juli in Kigali in Ruanda zu einer Konferenz treffen, um darüber zu beraten, wie sie effektiver das Evangelium weitersagen können. Der Unternehmer Prof. Jörg Knoblauch (Giengen) rief die Christen zur Wachsamkeit im Blick auf China auf. Am 1. Oktober 2049 feiere die dortige Kommunistische Partei ihr 100-jähriges Bestehen. Ihr Ziel sei es, bis dahin die Weltherrschaft zu übernehmen. Die Verkehrsverbindung „neue Seidenstraße“ sei eine Unterwerfungsstrategie, um die Welt zu kolonialisieren.

Applaus für ACP-Gründer Heinz Matthias

Eröffnet wurde die Tagung von dem Bankkaufmann Paul Wilhelm Prinz von Preußen (Weinheim). Er bezeichnete die Bibel als „hochmodern“. Zu aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit, dem Vorrang des Menschen vor der Künstlichen Intelligenz und Führungsfragen gebe sie Antworten. Auf dem Treffen wurde der Gründer des ACP, der Journalist und Lehrer Heinz Matthias (Niedenstein), für sein langjähriges Engagement geehrt. Die Besucher erhoben sich von den Plätzen und applaudierten. Der 93-Jährige hatte den Verein 1971 gegründet. Zwar hatte Matthias im vergangenen Jahr den Vorsitz abgegeben, aber dennoch die diesjährige Tagung vorbereitet und geleitet. Jetzt kündigte er an, „in die zweite Reihe treten zu wollen“. Der ACP setzt sich für eine „angemessene Publizierung von biblischen Denk- und Handlungsweisen in den Massenmedien“ ein. Er wendet sich dagegen, die biblische Botschaft zu politisieren oder zu verwässern.