04.03.2020

China: Hongkong-Aktivist Joshua Wong ist bekennender Christ

In seinem Buch berichtet der 23-Jährige auch über die Rolle der Kirchen

Hongkong/Frankurt am Main (idea) – Der Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong ist bekennender Christ. Das geht aus seinem Buch „Unfree Speech“ (Unfreie Rede) hervor, das im Verlag S. Fischer (Frankfurt am Main) erschienen ist. Wong gilt als das Gesicht der sogenannten „Regenschirm-Bewegung“, die sich für mehr Demokratie in der Sonderverwaltungszone der kommunistischen Volksrepublik China einsetzt. Schon mit 14 Jahren veranstaltete Wong die ersten Schülerproteste, um sich dem chinesischen Unterdrückungsregime und dessen Programm der Nationalen Bildung zu widersetzen. Mit 17 Jahren wurde er das erste Mal verhaftet.

Benannt nach Josua, der die Israeliten in das Land Kanaan führte

Wie der 23-Jährige in seinem Buch schreibt, wurde er als Christ in einer Mittelschichtfamilie erzogen. Seine Eltern seien „fromme Christen“. Sie hätten ihn nach Josua benannt, der die Israeliten nach dem Tod von Mose in das Land Kanaan führte: „Meine Eltern dachten nicht an politische Führerschaft, als sie den Namen aussuchten, aber sie wünschten sich, dass ich ein aufrechter Mensch werde, der das Richtige tut und andere anregt, es ihm gleichzutun.“ Im Vorfeld der Aufnahme für die Sekundarschule – dem „United Christian College“ in Kowloon – sei er in der Zulassungsstelle gefragt worden, was er tun würde, wenn einer seiner Freunde von anderen schikaniert werde. Er habe geantwortet: „Ich würde meinen Freund mit in die Kirche nehmen, damit Gott sich seiner annehme. Das würde ich vielleicht auch mit den Schikanierern machen. Gott hat für jeden einen Plan.“

Gotte wollte, „dass ich aktiv werde“

Er selbst sei der festen Überzeugung, dass Gott ihn aus einem bestimmten Grund auf diese Welt geschickt hatte: „Ich sollte mehr tun, als nur seinen Namen zu loben und die Bibel zu lesen. Er wollte, dass ich aktiv werde.“ Sein Vater sei in der IT-Branche tätig gewesen, bevor er sich vorzeitig in den Ruhestand habe versetzen lassen, „um sich auf Kirchenangelegenheiten und Gemeindearbeit zu konzentrieren“. Auch zuvor habe er den Großteil seiner Freizeit mit gemeinnütziger Arbeit zugebracht. Er selbst habe seinen Vater begleitet, wenn dieser Ältere und Arme besucht habe. Dabei er sich gefragt, was Jesus tun würde. Joshua Wong: „Ich glaube nicht, dass Jesus sich nach einem Besuch in diesem Seniorenheim selbstgefällig auf die Schulter klopfen würde.“ Nach diesem Erlebnis sei er rastlos geworden und habe begonnen, sich zu engagieren: „Ich erkannte, dass zwischen den guten Absichten und den Taten oftmals eine Kluft besteht.“

Geistliche halten sich aus der Politik raus

Über seine Kirchengemeinde schreibt der Lutheraner, dass sie hauptsächlich aus Mittelschichtfamilien bestehe. Es sei ein „durchschnittliches Gotteshaus in Hongkong“ und biete Platz für rund 1.000 Menschen. Er besuche diese Kirche seit seinem dritten Lebensjahr. Abgesehen von ein paar Ausnahmen neigten geistliche Führer in Hongkong dazu, sich aus der Politik herauszuhalten: „Pfarrer umgehen gern heikle Themen mit der Begründung, sie müssten für Kirchgänger aus allen politischen Richtungen ein offenes Ohr haben.“ Während seiner Kampagne gegen nationalistische Tendenzen im Schulsystem hätten einige sein Engagement offen unterstützt. Manche Kirchenälteste hätten es aber missbilligt. Wenn die Kirchen in Hongkong sich aber nicht mit der veränderten politischen Landschaft weiterentwickelten, drohe ihnen ein Mitgliederverlust: „Dieses Problem wird noch größer, wenn sich die Gesellschaft weiter polarisiert und Kirchgänger von ihren geistlichen Führern verlangen, dass sie Stellung beziehen.“

 

Vorwurf: Chinesische Regierung manipuliert die öffentliche Meinung

Dem chinesischen Machthaber Xi Jinping wirft er vor, abweichende Meinungen in Festlandchina zu unterdrücken: „Die chinesische Regierung hat Gesichtserkennung, Online-Tracking und andere Spitzentechnologien eingesetzt, um ihre Bürger zu überwachen und die öffentliche Meinung zu manipulieren.“ Hunderte von Menschenrechtsanwälten seien verhaftet und wegen Aufwiegelung angeklagt worden: „Katholische Gemeinden wurden routinemäßig schikaniert und in den Untergrund gedrängt, ihre Kirchen überfallen und zerstört, während Tibeter ihrer Rede-, Religions- und Bewegungsfreiheit beraubt wurden. In der Provinz Xinjiang wurden bis zu drei Millionen uigurische Muslime inhaftiert oder in Umerziehungslager geschickt.“ Hongkongs Status als Sonderverwaltungszone wird 2047 enden. Im September 2019 war Wong in Berlin zu Gast. Damals bat er um mehr Unterstützung für die Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone.