04.05.2020

Ägypten: Radikale Muslime nutzen Corona-Krise für Agitation

Salafisten und Muslimbrüder: Nur Ungläubige sterben an dem Coronavirus

Kairo/Frankfurt am Main (idea) – Radikale Muslime in Ägypten versuchen, die Corona-Krise für islamistische Agitation zu nutzen. Salafisten und Muslimbrüder rufen dazu, die gesundheitlichen Anweisungen der Behörden zu ignorieren. Das berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main. Demnach animieren Salafisten die ägyptische Bevölkerung, „die hygienischen Empfehlungen zu ignorieren und zum Beispiel Lebensmittel abzulecken, da an COVID-19 nur Ungläubige sterben würden“. Manche Muslimbrüder behaupteten, dass das Virus eine Strafe für das Verbot des Gesichtsschleiers Niqab in ägyptischen Behörden und Universitäten sei. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Sicherheitsmaßnahmen lehnten sie mit dem Hinweis auf den Islam ab. Die IGFM weist in diesem Zusammenhang auf die hohe Analphabetenrate in Ägypten hin. Deshalb könnten viele Menschen diese Falschnachrichten nicht durch eigenständige Recherche überprüfen oder hinterfragen. Die Muslimbruderschaft habe außerdem eine Kampagne gegen die Maßnahmen der Regierung in den Sozialen Medien gestartet. So habe ein in New York lebendes Mitglied, Bahgat Saber, seine an COVID-19 erkrankten Landsleute Anfang März in einem auf Facebook hochgeladenen Video aufgerufen, zu Polizeiwachen, Gerichtsgebäuden, Botschaften und Konsulaten zu gehen und Beamten die Hände zu schütteln, um diese anzustecken. Dadurch solle sich das Volk an der Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi rächen. Einige Salafisten nutzten die Krise, um aus der Unsicherheit der Menschen finanzielles Kapital zu schlagen. So verkauften sie zum Beispiel Amulette, die die Krankheit heilen sollen. Die IGFM übt aber auch Kritik an der ägyptischen Regierung wegen Verletzung der Menschenrechte. Seit März seien zahlreiche Bürgerrechtler und Kritiker – zum Beispiel der Menschenrechtsanwalt Mohsen Bahnasy – willkürlich verhaftet worden, weil sie die Maßnahmen der Regierung zur Bekämpfung der Pandemie öffentlich infrage gestellt hätten.

Fastenmonat Ramadan: Vermehrte Angriffe auf Christen

Im Blick auf den islamischen Fastenmonat Ramadan (23. April bis 23. Mai) verweist die IGFM darauf, dass die christliche Minderheit der Kopten besonderen Schutzes bedürfe. Während des Fastenmonats komme es vermehrt zu Angriffen auf Cafés und andere Einrichtungen von Christen. Von den knapp 100 Millionen Einwohnern sind etwa zehn Prozent Kopten. In Ägypten sind bisher 6.465 Corona-Fälle bestätigt. Infolge des Virus starben 429 Menschen (Stand 4. Mai).