05.06.2020

Mali: 27 Tote bei Überfall auf christliche Dörfer

Mutmaßlich islamische Extremisten verbrannten Bewohner bei lebendigem Leib

Mopti (idea) – Mutmaßlich islamische Extremisten haben im westafrikanischen Mali bei Angriffen auf drei überwiegend von Christen bewohnte Dörfer mindestens 27 Menschen getötet. Einige der Opfer wurden lebendig verbrannt, berichtet die Online-Zeitung „Christian Post“. Demnach überfielen bewaffnete Männer auf Motorrädern zwischen dem 2. und 3. Juni die Dörfer Bankass, Koro und Tillé (Region Mopti/Zentral-Mali). Lokalen Beamten zufolge könnte es sich bei den Männern um Dschihadisten gehandelt haben. Diese hätten behauptet, die Hirten aus dem Volk der Fulani vor den Bauern des Minderheitenstammes der Dogon beschützen zu wollen. Der überwiegende Teil der Dogon sind Muslime. Rund elf Prozent sind Christen. In den vergangenen Jahren kam es in Mali immer wieder zu gewalttätigen Eskalationen zwischen Dogon-Bauern und halbnomadisch lebenden Fulani-Hirten mit Opfern auf beiden Seiten.

Kampf um Vormachtstellung

Laut der christlichen Hilfsorganisation „Barnabus Aid“ führen seit 2016 Dschihadisten einen „Krieg“ um die Vorherrschaft in Nord- und Zentral-Mali. Erklärtes Ziel sei die landesweite Durchsetzung des islamischen Rechts (Scharia). Extremisten verwüsteten immer wieder christliche Dörfer und vertrieben Bewohner. Bei einem Angriff im Juli vergangenen Jahres auf das Dorf Sobame Da (Region Mopti) starben bis zu 135 Menschen – darunter Frauen und Kinder. Der Staat Mali stand lange weithin für einen gemäßigten Islam. 2012 übernahmen radikale Islamisten im Norden zeitweise die Macht, konnten aber zurückgedrängt werden. Seit 2013 sichern UN-Soldaten die Region. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors ist der Einfluss der islamischen Extremisten weiter spürbar. Zum einen hätten sie die dort lebende muslimische Bevölkerung radikalisiert, zum anderen stelle ihr fortwährender Aufstand insgesamt eine Bedrohung für die Christen im Land dar. Von den etwa 17,9 Millionen Einwohnern Malis sind über 95 Prozent Muslime und knapp fünf Prozent Christen.