06.02.2020

Deutschland: Evangelische Jugend verstärkt Engagement gegen Islamfeindlichkeit

Sie kooperiert dazu in einem Netzwerk auch mit muslimischen Jugendverbänden

Hannover (idea) – Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) verstärkt ihr Engagement gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit. Das teilte die Dachorganisation evangelischer Jugendverbände und -werke in Hannover mit. Zusammen mit „CLAIM/Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit“ und dem „Zentrum für europäische und orientalische Kultur“ (ZEOK) bildet die aej künftig das „Kompetenznetzwerk im Themenbereich Prävention von Islam- und Muslimfeindlichkeit“. Das Netzwerk stelle sich gegen „die immer virulenter werdende Islamfeindlichkeit“, heißt es in einer aej-Mitteilung. Auf Nachfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea verwies aej-Pressesprecher Martin Weber auf zahlreiche wissenschaftliche Studien der vergangenen Jahre. Sie machten deutlich, dass islamfeindliche Einstellungen in der Bevölkerung zunähmen. Weber führt dazu unter anderem die Studie „Die enthemmte Mitte“ der Universität Leipzig von 2016 an, wonach 50 Prozent der Befragten angaben, sie fühlten sich durch die vielen Muslime manchmal fremd im eigenen Land.

Staatliches und kirchliches Geld für Stellen auch bei muslimischen Jugendverbänden

Das Kompetenznetzwerk wird laut aej mehrheitlich von Bundesmitteln des Förderprogramms „Demokratie leben“ finanziert. Dies gelte auch für alle Stellenanteile. Die EKD trage einen Anteil bei der Mitfinanzierung. Im Kompetenznetzwerk würden je eine volle Stelle bei den „Kooperationspartner*innen“ der „Muslimischen Jugend in Deutschland“, der „Koptischen Jugend in Deutschland“ und beim „Muslimischen Jugendwerk“ geschaffen. aej-Generalsekretär Mike Corsa: „Mit dem Kompetenznetzwerk gehen wir nun einen Schritt weiter als in bisherigen Projekten und schaffen auch bei unseren Kooperationspartner*innen Vollzeitstellen, um ihnen den Aufbau professioneller Strukturen zu ermöglichen.“ Die aej hatte nach eigenen Angaben angestrebt, auch ein ergänzendes Projekt zur Bekämpfung von Antisemitismus durchzuführen. Dafür habe man jedoch nicht den Förderzuschlag durch das entsprechende Förderprogramm des Bundes erhalten. Weiter heißt es: „Im Rahmen unserer Zusammenarbeit mit unseren muslimischen Partner*innen würden wir Antisemitismus thematisieren, wenn er im Arbeitskontext sichtbar oder artikuliert würde.“ In den langjährigen Kooperationserfahrungen sei dies jedoch nicht der Fall gewesen.

„Christenfeindlichkeit ist für den deutschen Kontext nicht relevant“

Zur Nachfrage von idea, was die aej gegen Christenfeindlichkeit tue, erklärte die Dachorganisation: „Christenfeindlichkeit ist für den deutschen Kontext, in dem wir wirken, nicht relevant.“ In Deutschland bildeten „christliche oder christlich geprägte Menschen die Mehrheit“. In anderen Ländern seien „Christ*innen“ hingegen bedroht: „Das bereitet uns große Sorge, stellt jedoch nicht unseren Arbeitsschwerpunkt dar.“ Die aej sei dankbar, dass Religionsfreiheit in Deutschland verwirklicht sei. Umso mehr sehe sie es als ihre Aufgabe an, Jugendverbände von Religionsgemeinschaften, die einen weniger privilegierten Status haben, bei ihrem weiteren Aufbau zu unterstützen. Die aej vertritt nach eigenen Angaben 1,35 Millionen junge Menschen. Sie umfasst 41 Mitgliedswerke und -verbände aus Landes- und Freikirchen, darunter den CVJM-Gesamtverband in Deutschland, den Jugendverband „Entschieden für Christus“ (EC) und das „netzwerk-m“ (bis 2012 Ring Missionarischer Jugendbewegungen).