07.06.2020

Jemen: Auch hier baut Gott seine Kirche

Wenn Muslime im Jemen Christen werden, droht ihnen die Ermordung.

(idea) Das Leid der Bevölkerung im Jemen ist aufgrund des andauernden Krieges riesig. Aber auch in diesem Krieg erreicht Gott Menschen, und Muslime werden Christen. Das sagte Matthias Schwab, Nahost-Projektleiter der HMK, auf dem Kongress „Christenverfolgung heute“. Er habe kürzlich an einem Treffen mit Leitern der jemeni-tischen Untergrundkirche teil- genommen. Es handle sich bei diesen Christen immer um frühere Muslime, die konvertiert seien: „Eine solche Hingabe und eine solche Tiefe des Glaubens habe ich noch nie erlebt.“

Am schnellsten wachsende Gemeinde

Die Christen müssten immer sehr vorsichtig sein. Genaue Zahlen, wie viele Christen es in dem Land auf der Arabischen Halbinsel gebe, seien nicht vorhanden. Die Konvertiten selbst sprechen ihm zufolge von „mehreren Tausend“. Realistisch sei eine Zahl im oberen vierstelligen Bereich, wie er gegenüber idea ergänzte. Es handle sich damit um die wohl zurzeit am schnellsten wachsende christliche Gemeinde in der arabischen Welt.

„Sie wissen ja nicht, was sie tun“

Die Christen im Jemen liessen auch dann nicht von ihrem Glauben ab, wenn sie eingesperrt würden. Ein Häftling etwa schmuggle über seine Ehefrau kurze Nachrichten aus dem Gefängnis. Er ermutige darin die anderen christlichen Leiter, standhaft zu bleiben. Anfang November habe er aber geschrieben, dass die Situation für ihn immer schwieriger werde, und er habe um Unterstützung gebeten: „Betet, dass ich durchhalte.“ Der Mitarbeiter berichtete ferner, dass er auf dem jemenitischen Leitertreffen auch mit einem Leiter gesprochen habe, der gerade seinen ältesten Sohn verloren hatte, der von einer saudi-arabischen Bombe getötet worden war. Er habe ihn gefragt, wie er das durchhalte, und habe die Antwort bekommen: „Der Herr hat ihn gegeben, der Herr hat ihn genommen. Der Name des Herrn sei gelobt. Ich bete für die Saudis. Sie wissen ja nicht, was sie tun.“

Von der Evangelischen Allianz anerkannt

Den Christen dort sei es wichtig, dass die Welt von ihnen wisse. Seit kurzem sei der Jemen nun offizielles Mitglied der Weltweiten Evangelischen Allianz. Für die Konvertiten habe das eine sehr grosse Bedeutung. Sie wollten nicht unbemerkt sterben. Durch die Zugehörigkeit zu einer grossen Organisation steige die Aufmerksamkeit. Wie er weiter sagte, ist das Leid in dem Land „unvorstellbar“. 82 Prozent der Bevölkerung (über 24 Millionen) hungerten. Vor zwei Jahren bereits habe die UNO gesagt, dass es sich um die schlimmste Katastrophe der Welt handle, und habe das auch 2018 und 2019 wiederholt. Ein fünfjähriges Kind habe in seinem Leben bereits durchschnittlich 18’000 Bombenangriffe erlebt. Im Jemen hat sich die Lage seit 2015 dramatisch verschlechtert. In dem ärmsten Land der Arabischen Halbinsel liefern sich die sunnitisch geprägte Zentralregierung und schiitische Huthi-Rebellen einen Machtkampf. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition fliegt Luftangriffe gegen die Rebellen und unterstützt die Zentralregierung. Der schiitische Iran unterstützt die Huthi.

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