09.05.2020

Deutschland: Esoteriker wollen Kirchen instrumentalisieren

Internetaufruf: Sektenbeauftragter warnt vor „Nikolaikirche ist überall – öffnet die Gotteshäuser“

München (idea) – Esoteriker wollen Kirchen in der Corona-Krise für regierungskritische Zwecke instrumentalisieren. Davor warnt der Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Kirchenrat Matthias Pöhlmann (München). In einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Beratungsstelle Neue Religiöse Bewegungen im Dekantsbezirk München rät er Christen „dringend“ ab, sich an der Initiative „Nikolaikirche ist überall – öffnet die Gotteshäuser! Jetzt!“ zu beteiligen. Die Initiatoren und Unterstützer seien „selbst ernannte Wahrheitsforscher“, Verschwörungsesoteriker und rechte Esoteriker.

Aufruf zu Kontaktsturm auf Kirchen

Die Initiative richtet sich in einem im Internet veröffentlichten Aufruf an Menschen, die „ihre Freiheit lieben und die bereit sind, für ihre grundlegenden Rechte öffentlich einzustehen“. Sie sollen die nächstliegende Kirchengemeinde, Synagoge und Moschee und deren Geistliche kontaktieren und sie auffordern, Gotteshäuser wie Kirchen wieder zu öffnen. Mit Beginn der Aktion am 28. April sollten „die Telefone nicht mehr stillstehen“. Gebete und Gesang in den geöffneten Häusern würden dann gemäß Quantenphysik ein Bewusstseinsfeld erschaffen, das zu einem verbindenden Element aller Menschen werde. Beklagt wird, dass die staatlich verordneten Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise, die „natürlichen/gottgegebenen Rechte“, etwa die Versammlungsfreiheit, von „sogenannten Volksvertretern“ mit Füßen getreten und in einem Akt der Willkür entzogen würden. Dahinter stecke eine Agenda der totalen Überwachung, Kontrolle durch Massenmedien und die Durchsetzung von Zwangsimpfungen. „Wirkliche Experten“, darunter Virologen und Epidemiologen, hätten Covid-19 aufgrund der „Faktenlage“ für nicht gefährlicher als eine übliche Grippe/Influenza eingeschätzt.

Religiöse Menschen sollen mobilisiert werden

Laut dem kirchlichen Sektenbeauftragten gehören die Initiatoren des Aufrufs zur esoterischen Bewegung „Friedensweg“. Sie versuchten, weitere Unterstützer zu gewinnen und religiös motivierte Menschen zu mobilisieren. Oft seien für Außenstehende die Hintergründe und Motive nicht sofort erkennbar. Die Initiatoren benutzten die Leipziger Nikolaikirche als Symbol für die Friedensgebete während der Friedlichen Revolution in der DDR und instrumentalisierten sie für eigene Zwecke. Die Stellungnahme wurde im Fachblatt „Apologetik Aktuell“ veröffentlicht.