10.03.2020

Somalia: Heuschrecken und Naturkatastrophen zwingen das Land in die Knie

Mogadischu (Fides) - Erst habe die Dürre, dann Überschwemmungen und zuletzt die Heuschreckenplage dafür gesorgt, dass Somalia keinen Frieden finde. Innerhalb von sechs Monaten sei das Land von drei Katastrophen heimgesucht worden, die die lokale Wirtschaft in die Knie gezwungen haben, insbesondere in den südlichen Regionen des Landes. Die Bevölkerung sei am Rande der Erschöpfung. Dies betont der Apostolische Administrator von Somalia und Bischof von Dschibuti Giorgio Bertin in einem Kommentar zur alarmierenden Lage in Somalia.
Im vergangenen Herbst hatten sich Heuschrecken insbesondere im Jemen rasch vermehrt. Begünstigt durch das Fehlen einer staatlichen Behörde, die Maßnahmen zur Zerstörung der Larven ergreifen hätte können, entstanden riesige Schwärme. Von der arabischen Halbinsel zogen diese von den klimatischen Bedingungen begünstigt nach Ostafrika weiter.
"Nach dem, was ich in unseren vier Missionen beobachtet und gehört habe“, so Bischof Bertin, “sind die Heuschrecken auf der Wanderung auch in Dschibuti gewesen und haben sich dort ausgeruht. Sie haben zwar auch dort einige Schäden angerichtet, aber insgesamt nicht sehr ernst. Das Problem ist, dass sie ihre Reise nach Süden fortgesetzt haben. Sie kamen sie den Süden von Äthiopien und Somalia und den Norden von Kenia."
"Die Verbreitung von Heuschrecken ist ein ernstes Phänomen", so der Bischof. "Alle Nationen am Horn von Afrika haben Maßnahmen ergriffen, um die weitere Expansion zu bekämpfen. In Somalia ist jedoch alles komplizierter. Hier existieren die staatlichen und regionalen Institutionen nur auf dem Papier. Die Behörden treffen keine Entscheidungen oder können dies nicht aufgrund der Instabilität, die durch die ständigen Kämpfe verursacht wird. Die ärmsten Bevölkerungsgruppen sind diejenigen, die die meisten verlieren und angesichts von Dürre, Überschwemmungen und Heuschrecken nichts tun können", so der Apostolische Administrator.
Nach Schätzungen der Organisation der Vereinten Nationen für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) liegt die Zahl der Insekten derzeit bei rund 200 Milliarden liegt und die Zahl könnte bis Juni auf 500 Milliarden ansteigen. "Dies ist die schlimmste Invasion in Äthiopien und Somalia in den letzten 25 Jahren, während in Kenia die letzte Episode dieser Größenordnung 70 Jahre zurückliegt", erklären FAO-Experten. "Das Ausmaß der Folgen der Heuschreckenplage“, so die Organisation weiter, „wird durch die Tatsache vervielfacht, dass sie Ernten und Weideland in Gebieten betrifft, die bereits unter Nahrungsmittelknappheit leiden, Dürre, Überschwemmungen leiden und politischer Instabilität ausgesetzt sind."
Im Jahr 2018 verursachten geringe Niederschläge in Somalia eine schwere Dürre, die zum Verlust der Ernte und zum Verenden des Viehs führte. Ganze Gemeinden waren gezwungen, ihr Eigentum zu verkaufen und Geld auszuleihen, um Lebensmittel zu kaufen und um zu überleben. Mehr als 6 Millionen Menschen hatten mit Lebensmittelknappheit und akutem Hunger zu kämpfen.
Im Herbst letzten Jahres kam es schließlich zu durch den Monsun verursachten anhaltenden heftigen Niederschlägen von beispiellosem Ausmaß. Starke Regenfälle Ende Oktober verursachten schwere Überschwemmungen, die viele Todesopfer verursachten und infolge derer es 270.000 Vertriebene und schwere Schäden in der Viehzucht gab. Die am schlimmsten betroffene Region ist Hiiraan, wo viele Menschen ihre Häuser verlassen mussten, um in höheren Gebieten Zuflucht zu suchen. Dutzende Menschen kamen ums Leben und Hunderte wurden verletzt. Zuletzt kamen die Heuschrecken. Nach Angaben der FAO sind in Somalia bereits mindestens eine Million Menschen von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen und mindestens 2,8 Millionen sind gefährdet.
(EC) (Fides 10/3/2020)