11.04.2020

Deutschland: Ethikrat: Jüngere Patienten dürfen nicht bevorzugt werden

In der Corona-Pandemie müssen Ärzte schwierige Entscheidungen treffen.

Berlin (idea) – Jüngere Patienten dürfen nicht gegenüber älteren bevorzugt werden, wenn wegen der Corona-Pandemie die medizinischen Kapazitäten zur Versorgung aller Erkrankten fehlen. Diese Ansicht vertritt der Deutsche Ethikrat in einer Stellungnahme zur Corona-Krise, die am 7. April in Berlin vorgestellt wurde.

Durch die Ausbreitung des Virus könne es auch in Deutschland zu Situationen „echter Knappheit“ kommen, sagte der Juraprofessor Steffen Augsberg (Gießen) vor Journalisten in Berlin. So könnten Ärzte gezwungen sein, über die Verteilung von Beatmungsplätzen zu entscheiden. Damit bestimmten sie im Ergebnis, „wer leben darf und wer sterben muss“. In diesen Situationen könne es „keine gute, sondern allenfalls eine vorzugswürdige Entscheidung geben“, so Augsberg.

Bei der rechtlichen Bewertung solcher Entscheidungen müsse immer der Grundsatz gelten: „Jeder Mensch ist gleich viel wert.“ Das sei ein Gebot der Menschenwürde. „Moralische Einschätzungen mögen eine abweichende Handhabung nahelegen – etwa den Schutz einer jüngeren gegenüber einer älteren Person. Zur Rechtmäßigkeit des Handelns führt dies aber nicht“, erklärte der Jurist.

Der Vorsitzende des Ethikrates, der Theologieprofessor Peter Dabrock (Erlangen), sagte bei der Vorstellung der Stellungnahme, es sei derzeit noch zu früh für eine Lockerung der Maßnahmen, die zur Eindämmung der Pandemie verhängt wurden. Es sei aber „nie zu früh für eine öffentliche Diskussion über Öffnungsperspektiven“. Damit werde den Menschen keine „falsche Hoffnung“ gemacht.

Vielmehr brauchten Menschen gerade in einer katastrophalen Situation wie der gegenwärtigen „Hoffnungsbilder“. Das motiviere zum Durchhalten.