14.02.2020

Deutschland: Syrer erhält lebenslänglich für „Ehrenmord“

Braunschweig: Er duldete die Beziehung seiner Schwester zu einem christlichen Iraker nicht

Braunschweig (idea) – Wegen Mordes hat das Landgericht Braunschweig am 13. Februar einen 34-jährigen muslimischen Syrer zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, wie der Pressesprecher am Landgericht, Richter Stefan Bauer-Schade, gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea bestätigte. Die Tat hatte nach Überzeugung des Gerichts einen religiösen Hintergrund. Der Syrer hatte am 26. Januar 2019 auf einem Parkplatz in Salzgitter auf den aus dem Irak stammenden Lebensgefährten seiner Schwester, einen 25-jährigen Katholiken, fünf Schüsse abgefeuert, weil er die Beziehung nicht duldete. Das Opfer starb wenig später im Krankenhaus. Für das Gericht war das Ziel der Tat die Wiederherstellung der Ehre seiner muslimischen Familie. Mit dem Urteil entsprachen die Richter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, weil es Zweifel an der Täterschaft gebe.

Schwester wollte Christin werden

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war die junge Frau wegen familiärer Probleme bereits im Herbst 2018 ausgezogen. Ihr Bruder habe die Beziehung zu dem Iraker nicht akzeptiert. Denn sie habe mit ihrem Freund und dessen Mutter regelmäßig christliche Gottesdienste besucht und geplant zu konvertieren. Bereits drei Monate vor der Tat habe der Syrer dem Freund der Schwester in dessen Friseursalon mit dem Tod gedroht, wenn er die Beziehung nicht beende. Am Tag der Tat habe er im Haus seiner Familie angekündigt, die Ehre der Familie wiederherzustellen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft lauerte er dem jungen Mann in der Dunkelheit auf dem Parkplatz auf und gab dort aus rund einem Meter Entfernung die tödlichen Schüsse ab. Der Mann hatte zudem angekündigt, seine Schwester töten zu wollen. Der Prozess fand unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. So sollen sich die Schwester und auch die Mutter des Opfers weiter im Zeugenschutzprogramm befinden.