14.02.2020

Finnland: Polizei verhört Geistlichen

wegen angeblicher Hassrede Auslöser ist eine Broschüre über Homosexualität aus christlicher Sicht

Helsinki (idea) – In Finnland hat die Polizei am 11. Februar den lutherischen Geistlichen Juhana Pohjola (Helsinki) fünf Stunden lang verhört, weil er Hass gegen Homosexuelle verbreitet haben soll. Das erklärte der Theologe gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Er ist Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Missionsdiözese Finnlands – einer selbstständigen Denomination, die an einem traditionellen Bibelverständnis und an den lutherischen Bekenntnissen des 16. Jahrhunderts festhält. Gegen ihn sei ein Strafverfahren eröffnet worden, weil er 2006 auf der Internetseite der Kirche eine Broschüre über Homosexualität aus christlicher Sicht veröffentlicht hatte. Weil ein anderer Theologe Strafanzeige stellte, habe die Generalstaatsanwältin Finnlands, Raija Toivianen, am 31. Oktober 2019 Untersuchungen gegen ihn eingeleitet. Autorin der Broschüre ist die Parlamentsabgeordnete und frühere finnische Innenministerin Päivi Räsänen. Auch gegen die Pfarrersfrau und fünffache Mutter laufe deswegen ein Strafverfahren wegen Verbreitung von Hass. Sie war bereits im September 2019 vier Stunden lang von der Polizei verhört worden. Ein weiteres Ermittlungsverfahren befasst sich mit einer kritischen Äußerung der Politikerin der Christdemokratischen Partei (KD), weil sie sich in sozialen Netzwerken kritisch über die Teilnahme der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands an einer Homosexuellen-Parade geäußert hatte. Die Evangelisch-Lutherische Missionsdiözese Finnlands hat nach eigenen Angaben 37 Gemeinden und rund 2.200 Mitglieder. Sie ist Mitglied des Internationalen Lutherischen Rates und unterhält Beziehungen zur Selbstständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) in Deutschland. Von den 5,5 Millionen Einwohnern Finnlands gehören heute rund 70 Prozent der Evangelisch-Lutherischen Kirche an. 27 Prozent sind konfessionslos, 1,1 Prozent orthodox.