14.03.2020

Tadschikistan: Geldstrafen für Bibelübersetzung

Geldstrafe und Misshandlung wegen Hidschab tragen

Am 14. Dezember 2019 verhaftete die Polizei in der Hauptstadt Duschanbe mindestens 20 muslimische Frauen, wegen des Tragens eines Hidschab. Eine der Frauen, Nulufar Rajabova, wurde wüst beschimpft, gestoßen und so fest gegen den Nacken geschlagen, dass sie zu Boden fiel. Dies berichtete sie gegenüber Forum 18. Ihr Vater Rakhmatullo Rajabov war ein führendes Mitglied der im August 2015 verbotenen Islamischen Partei der Wiedergeburt. Im September 2015 wurde er zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bereits 2018 wurde Nulufar Rajabova deshalb als „Tochter eines Terroristen“ beschimpft, als sie bei der staatlichen Sozialversicherungsbehörde um Unterstützung wegen ihrer zwei behinderten Kinder ansuchte. Vier Tage nach ihrer Festnahme im Dezember wurde eine Geldstrafe gegen sie verhängt. Der Vorwurf lautete, sie hätte eine Beamtin bedroht, während sie ihre „Dienstpflicht“ erfüllte, d.h. die Verhaftung der Hidschab tragenden Frauen. Auch andere Frauen, die gleichzeitig mit Rajabova festgenommen worden waren, wurden mit Geldstrafen belegt. Muslime, die ihr legitimes Recht auf Religionsfreiheit ausüben, sind immer wieder schweren Restriktionen ausgesetzt. So ist das Tragen islamischer Kleidung und des für muslimische Männer vorgeschriebenen Barts verboten und diese Verbote werden nach wie vor durchgesetzt. Am 2. Januar 2020 wurde Sadriddin Mulloyev wegen seiner ehemaligen Mitgliedschaft bei der islamischen Missionsbewegung Tabligh Jamaat zu 12 Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil wurde ein Jahr nach seiner Rückkehr aus dem Exil gefällt, die er aufgrund einer Amnestie für ihn gewagt hatte.

Das Regime bestraft nicht nur Einzelpersonen für die Ausübung ihres Rechts auf Religions- und Glaubensfreiheit, sondern auch Religionsgemeinschaften. So wurden bereits 2018 zwei Gebäude der Gemeinde des Vollen Evangeliums („Sunmin Sunbogym“) im Norden des Landes konfisziert mit der Begründung, man wolle dort einen Kindergarten einrichten. Von diesem ist bis heute nichts zu sehen. Der inzwischen freigelassene Pastor der Gemeinde, Bakhrom Kholmatov, wurde im Juli 2017 wegen des Singens „extremistischer Lieder“, die angeblich zu Hass anstacheln, zu drei Jahren Haft verurteilt.  Zwischen August 2019 und Januar 2020 hat das Staatliche Komitee für Religiöse Angelegenheiten und die Regelung von Traditionen, Zeremonien und Ritualen Geldstrafen von 7.000 bis 11.000 Somonis gegen die Leiter von vier protestantischen Kirchen verhängt. Ihr Vergehen, sie hatten eine Übersetzung der Bibel in heutiges Tadschikisch veranlasst. Diese ist nach den Angaben eines Protestanten, der aus Furcht vor staatlichen Repressalien nicht namentlich genannt werden will, erforderlich, da die alte Übersetzung veraltete Ausdrücke enthält, die zu Missverständnissen führen. Nach Schätzungen eines tadschikischen Menschenrechtsaktivisten liegt das monatliche Durchschnittsgehalt bei 1.500 Somonis. Die Kollekten in einigen Kirchen ergeben etwa 500 Somonis pro Monat. Auch das Übersetzungsunternehmen Linguatech bekam Besuch von der Polizei, da es einen Auftrag zur Übersetzung eines religiösen Texts angenommen hatte, ohne, wie vom Religionsgesetz gefordert, das Komitee für Religiöse Angelegenheiten zu informieren. Der Direktor des Unternehmens versicherte, man würde die gesetzlichen Bestimmungen in Zukunft einhalten. Es gab keine weiteren Konsequenzen.

Die tadschikische Regierung zwingt nicht islamische Religionsgemeinschaften, Jahresberichte in russischer Sprache zu erstellen und einzureichen. Ein tadschikischer Protestant erklärte gegenüber Forum 18: „Beamte des Komitees für Religiöse Angelegenheiten sagen uns, Christen und Kirchen seien ein ‚ausländisches Element‘ in Tadschikistan“. Er sieht darin den Grund, weshalb man christliche und andere nicht islamische Gemeinschaften zwingt, ihre Berichte in Russisch und nicht in Tadschikisch abzufassen. Dies sei ein Versuch, den ausländischen Charakter der anderen Religionen zu „beweisen“. Die Regierung überprüft diese Berichte genau. Besonderes Augenmerk wird auf finanzielle Aspekte gelegt. Unter anderem wird gefragt, ob bzw. mit welchem Betrag staatliche Sozialprogramme unterstützt werden. Eine Antwort, die nicht im Sinne der Regierung ist, könnte später zu Repressalien führen.

Quelle: Forum 18, Oslo (Meldung vom 9. März 2020)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA