15.05.2020

Deutschland: Kirche eröffnet ein Disziplinarverfahren gegen Pastor Latzel

Bremen: Kirchenausschuss: Seine Äußerungen schaden dem Ansehen der ganzen Kirche

Bremen (idea) - Gegen den evangelikalen Bremer Pastor Olaf Latzel von der St.-Martini-Gemeinde wird ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das beschloss das Leitungsgremium der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK), der Kirchenausschuss, am 14. Mai. Aufgrund der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werde das Verfahren zunächst aber ausgesetzt, teilte die Kirche mit. Für das Disziplinarfahren sei es von Bedeutung, ob die Äußerungen Latzels über Homosexuelle von den staatlichen Ermittlungsbehörden als Straftat eingestuft würden. Zum Hintergrund: Der 52-jährige Theologe hatte im Oktober 2019 in einem Eheseminar, das auf YouTube veröffentlicht wurde, auch über Homosexuelle gesprochen. Dabei sagte er unter anderem: „Überall laufen diese Verbrecher rum vom Christopher Street Day.“ Für die Verwendung des Wortes „Verbrecher“ entschuldigte er sich später öffentlich. Er habe sich damit nicht auf homosexuell lebende Menschen bezogen, „sondern auf militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben“. Die Audio-Datei mit seinen Äußerungen wurde inzwischen auf YouTube gelöscht. Der Staatsschutz hat Ermittlungen gegen Latzel wegen „Volksverhetzung“ aufgenommen.

Gemeinde war Ziel von Anfeindungen

Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea verwies Latzel darauf, dass seine Gemeinde seit Jahren Ziel von Anfeindungen geworden sei. Die Kirche sei beschmiert, sein Auto beschädigt, Gottesdienste gestört und Besucher zum Kirchenaustritt aufgerufen worden. Er selbst habe zwei Morddrohungen erhalten. Die Übergriffe seien angezeigt worden.

Kirchenausschuss kritisiert Diffamierungen

Der Kirchenausschuss bekräftigte nach seiner Sitzung seine Haltung, dass die Äußerungen von Latzel in der Öffentlichkeit mit Recht Empörung hervorgerufen hätten. Das Gremium distanzierte sich erneut „von den Diffamierungen gegen homosexuell lebende Menschen“. Wörtlich heißt es in der Pressemitteilung: „Auch wenn sie nicht als strafbar eingestuft werden sollten, schaden derartige Entgleisungen dem Ansehen der ganzen Kirche erheblich.“ Latzel wird vom Kirchenausschuss zudem aufgefordert, „jegliche öffentliche Äußerungen zu unterlassen“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (München), hatte Latzels Aussagen ebenfalls verurteilt. Diese seien „unerträglich”, sagte er dem „Spiegel”.

Rückendeckung durch Online-Petition: Über 15.800 Unterzeichner

Rückendeckung erhält Latzel dagegen durch eine Online-Petition. Deren Initiator, der Theologiestudent Jonas Eberhardt (Bergneustadt bei Gummersbach), hatte am 12. Mai eine Zwischenbilanz mit über 14.000 Unterschriften an den Kirchenausschuss verschickt und das Gremium aufgefordert, gegen Latzel kein Disziplinarverfahren einzuleiten. Es könne „ausschließlich bei Dienstvergehen, schwerwiegenden Verletzungen des Dienstrechts und strafrechtlichen Verurteilungen eingeleitet werden“. Solche Verstöße lägen bei Latzel nicht vor, hieß es. Die am 2. Mai gestartete Petition läuft noch bis Mitte Juli. Sie wurde bisher (Stand 15. Mai) von über 15.800 Personen unterzeichnet. Auch der Kirchenvorstand der St.-Martini-Gemeinde steht weiter geschlossen vor Latzel, bekräftige Kirchenvorstandsmitglied Jürgen Fischer gegenüber idea. In einer früheren Stellungnahme heißt es, man sei Latzel „dankbar für seine klaren und bibelzentrierten Predigten, für sein Festhalten an den unverrückbaren Wahrheiten der Heiligen Schrift trotz der vielen nun schon über Jahre anhaltenden Angriffe gegen seine Person“. Fischer zufolge wird der Kirchenvorstand am 17. Mai im Gottesdienst eine weitere Erklärung  abgeben, um Latzel in der Kontroverse zu stärken.