16.05.2020

China: Panchen Lama vor 25 Jahren entführt

China kämpft weiter gegen den tibetischen Buddhismus

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) fordert die chinesische Regierung auf, endlich bekannt zu machen, was mit dem 11. Panchen Lama passiert ist. Am 17. Mai 1995 war Gedhun Choekyi Nyima im Alter von sechs Jahren entführt worden. Das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus, der Dalai Lama, hatte ihn kurz vor seiner Verschleppung durch den chinesischen Staat als Wiedergeburt des 10. Panchen Lama und damit als 11. Panchen Lama anerkannt. Von dem inzwischen 31-Jährigen fehlt seitdem jede Spur, auch seine Familie wurde damals verschleppt.
„Die chinesische Regierung hat anstatt des rechtmäßigen Panchen Lama einen fünfjährigen Tibeter namens Gyaltsen Norbu als 11. Panchen Lama ernannt. Er dient der Regierung in Peking als Marionette für den angeblichen Beleg, in China herrsche Glaubensfreiheit,“ erklärt Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozid-Prävention und Schutzverantwortung. „China hat gegenüber den Vereinten Nationen versichert, es gehe Gedhun Choekyi Nyima gut. Aber diese Beteuerungen sind mehr als fragwürdig.“
Während der von Peking eingesetzte Panchen Lama im chinesischen Staatsfernsehen Grußbotschaften an Tibeter ausrichte, arbeite die Kommunistische Partei daran, auch die Nachfolge des Dalai Lama zu bestimmen. „Auch dessen Nachfolger soll eine Marionette Pekings sein, die die Zerstörung tibetisch-buddhistischer Lehrinstitute schönredet oder verschweigt“, so Schedler. „Für die Auswahl des nächsten Dalai Lama spielt der Panchen Lama eine wichtige Rolle. Durch die Entführung vor 25 Jahren hat sich Chinas Führung darauf direkten Einfluss verschafft.“

Kontakt: Hanno Schedler, GfbV-Referent für Genozidprävention und Schutzverantwortung