20.01.2020

Irak: Christen sind weiter in Sorge vor erneutem Krieg

ojcos-Stiftung: Sie fürchten ein Wiedererstarken des IS

Reichelsheim (idea) – Die angespannte Lage zwischen den USA und dem Iran führt auch unter irakischen Christen zu Sorge vor einem erneuten Krieg sowie vor einem wachsenden Einfluss radikal-islamischer Kräfte im Land. Das sagte der für die ojcos-Stiftung tätige „Politische Fürsprecher für Religionsfreiheit im Irak“, David Müller (Reichelsheim/Odenwald), gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea (Wetzlar). Hintergrund für seine Einschätzungen sind Gespräche mit ojcos-Partnern aus dem Irak. Aktueller Höhepunkt der Spannungen zwischen den USA und dem Iran war die Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani am 3. Januar im Irak. Auslöser war der Versuch schiitischer Milizionäre und pro-iranischer Demonstranten vier Tage zuvor, die US-Botschaft in Bagdad zu stürmen. Der christliche Abgeordnete im kurdischen Regionalparlament, Janan Jabar Boya (Erbil), schätzt, dass bei einem Krieg erneut viele Iraker aus dem Land fliehen würden. Außerdem würde ein Sicherheitsvakuum entstehen, das extremistischen Kräften wie der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), aber auch iranischen Milizen die Ausweitung ihres Einflusses u. a. in der Ninive-Ebene im Nordirak ermögliche. „Unsere Befürchtung ist, dass unsere historische Heimat vom IS oder iranischen Milizen ein weiteres Mal eingenommen, unsere jahrhundertealten Kirchen und Dörfer zerstört und dass das zu weiterer Emigration führen würde“, sagte Boya.

Wunsch nach Stabilität – auch mit Hilfe von deutschen Truppen

Um die Lage im Irak langfristig zu stabilisieren, wünschen sich die Christen laut Müller, dass – etwa durch die deutsche Bundesregierung – sowohl auf die irakische Zentralregierung als auch auf die kurdische Regionalregierung politisch Einfluss genommen wird. So sei der Wunsch nach der Abschaffung des bestehenden Stammessystems, einer militärischen Präsenz zur Friedenssicherung und der Aufmerksamkeit für die Situation der religiösen Minderheiten groß. Auch ein eventueller Abzug deutscher Soldaten werde kritisch und als Verlust gesehen. Die ojcos-Stiftung besteht seit 2004. Seit 2017 engagiert sie sich im Irak und ist als Fürsprecher für Christen, Jesiden und religiöse Minderheiten im Irak in der deutschen Politik, Kirche und Medien aktiv. Um für diese Menschen eine Perspektive auf ein Leben in Würde und Sicherheit zu erreichen, bringt sie verschiedene Akteure aus Politik, Kirche und Zivilgesellschaft zusammen.

siehe auch AKREF vom 8.1.20