20.02.2020

China: Atemschutz-Evangelisten verhaftet

Die Partei steht über der Religion

Verteilung von Evangelium und Atemschutzmasken

[AH] Einer christlichen Organisation ist es über eine Vertrauensperson gelungen, größere Mengen von Atemschutzmasken nach Wuhan zu bringen. Die Empfänger wollten dafür etwas Gutes tun, gingen auf die Straßen, predigten das Evangelium den wenigen Passaten und verteilten an sie kostenlos Atemschutzmasken, die in China inzwischen wegen des akuten Mangels sehr teuer geworden sind. Leider hat dies den Behörden nicht gefallen und so wurden etliche dieser Atemschutz-Evangelisten von Sicherheitskräften abgeführt.

Die Partei steht über der Religion

[XH] Wie weit es der Kommunistischen Partei schon gelungen ist, höchste Positionen selbst in christlichen Gremien mit eigenen Gesinnungsgenossen zu besetzen, ist u. a. bei einer Tagung der „Kommission für Nationalitäten und Religionen der Politischen Konsultativ-Konferenz“ Ende des  letzten Jahres deutlich geworden. Die Tagung stand unter dem Thema „Mit den sozialistischen Kernwerten die Religionen zu einer Auslegung ihrer Lehren und religiösen Vorschriften hinführen, die den Anforderungen des Fortschritts der Zeit entspricht“. Dabei ließ sich dann Bischof Fang Xingyao, Vorsitzender der Katholischen Patriotischen Vereinigung, zu der braven Aussage hinreißen: „Die Liebe zum Land steht über der Liebe zur Religion, das staatliche Recht steht über den religiösen Vorschriften“.

Recht ähnlich steht es in den neuen „Verhaltensregeln für protestantische kirchliche Amtsträger“, die der Chinesische Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung herausgegeben hat. Darin müssen sich die Amtsträger per Unterschrift verpflichten, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas zu unterstützen, sich der Mitarbeit am Ausbau des Sozialismus chinesischer Prägung zu widmen, den Sinisierungskurs zu befolgen und der Infiltration von außen zu widerstehen.

Chinesische Studenten im Ausland unter Kontrolle

[MS] Chinesische Studierende an ausländischen Hochschulen sind zunehmend in Gefahr, in ihrer Heimat für Aktivitäten bestraft zu werden, die im Land ihres Studienaufenthaltes rechtmäßig sind. Dies belegen zwei kürzlich bekannt gewordene Fälle. An ausländischen Universitäten dürften nun Diskussionen darüber folgen, ob genügend für die Unterstützung chinesischer Gaststudenten getan wird. In Deutschland bilden Chinesen die größte Gruppe ausländischer Studierender: Rund 42.000 sind bei uns zurzeit eingeschrieben.

83-Jähriger ist Pekings Experte für die Lösung der Corona-Krise

[MS] Zhong Nanshan hat bei seinen Landsleuten den Ruf eines besonders fähigen Mediziners, seitdem er vor 17 Jahren öffentlich die schleppende Reaktion der Behörden auf die SARS-Epidemie anprangerte. Diese Reputation – und seine offenkundige Loyalität zu Chinas Regierenden – hat den 83-Jährigen nun auch im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus an die vorderste Front geführt: Der Lungenarzt leitet die am 24. Januar vom Politbüro gebildete 14-köpfige Expertengruppe zur Bekämpfung der neuen Epidemie, hat aber nun in einem Interview das fahrlässige Verhalten der Behörden am Anfang der Corona-Epidemie aufs schärfste kritisiert.

Als 2003 der Ausbruch der Lungenkrankheit SARS China erschütterte, gehörte Zhong auch damals zu den wenigen, die kein Blatt vor den Mund nahmen. Stets trat er mit neuen Erkenntnissen direkt an die Öffentlichkeit und nannte die unverzügliche Information der Bevölkerung als ausschlaggebend für die erfolgreiche Bekämpfung jener Epidemie. Dabei vermied der diplomatische Zhong es seinerzeit, direkt Kritik an Regierungsstellen oder gar an der Kommunistischen Partei zu üben. Diese hofft nun offensichtlich, mit dem renommierten Frontkämpfer gegen das Corona-Virus den enormen Unmut in der Bevölkerung über den Umgang der Behörden mit der Epidemie zu besänftigen.

Zhong ist natürlich Parteimitglied, war Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes und auch Delegierter des Nationalen Volkskongresses. 2003 entdeckte er das SARS-Corona-Virus, 2013 war er federführend bei der Entwicklung von Maßnahmen gegen die Vogelgrippe. Studiert hat der mehrfach vom Staat ausgezeichnete Spitzenmediziner einst in Nanjing und Beijing, später auch bei bekannten Pneumologen in England und Schottland.

 

Verhinderung der Übertragung des Coronavirus extrem schwierig

[SCMP] Das menschliche Haar hat einen Durchmesser von 0,015 mm oder 15 µm (Mikrometer). Medizinische Standard-Atemschutzmasken sind je nach Qualität in der Lage, Partikel in der Größenordnung von 10 µm bis herunter zu 2 µm zurückzuhalten. Die allerbesten Atemschutzmasken, die N95-Masken, können Partikel in der Größe von 0,3 µm noch abhalten, doch der Durchmesser der Corona-Viren liegt im Bereich von nur 0,12 µm. Deshalb bieten Gesichtsmasken also keinen sicheren Schutz gegen die Übertragung von Corona-Viren, zumal die Undichtigkeiten zur Gesichtshaut an den Rändern vergleichsweise riesig sind. Dies erklärt auch den extrem hohen Anteil von derzeit leider schon weit über 1.000 Infizierten unter dem medizinischen Fachpersonal.

Quelle: China – Informationen 2020 - 05