20.04.2020

China: Unerwartet großes Echo

Neue Informationen aus Kirchen & Hausgemeinden sowie aus Politik & Gesellschaft

Online-Gottesdienst fand unerwartet großes Echo
[CS] In einer großen Kirche in einem sehr alten Stadtteil von Wuhan waren die Gottesdienste wie überall in China wegen der Virus-Epidemie geschlossen. Die Gemeinde installierte wegen dieser Sperre einen Online-Gottesdienst und war höchst erstaunt über dessen Ergebnis: Die Kirche ist groß genug für etwa 2.000 Gemeindeglieder, doch schon beim Beginn dieser Online-Übertragungen nahmen rund 100.000 Internetnutzer an dieser Verkündigung teil..
Über das Internet können sich auch kirchendistanzierte Menschen anonym einklinken, ohne dass sie die für sie viel zu hohen Schwellen der Kirchentüren in aller Öffentlichkeit überwinden müssen.
Neue Offenheit für das Evangelium
[AH] Mehrere Hauskirchenleiter berichten, seit der Corona-Epidemie sei es zu einer neuen Offenheit gegenüber dem Evangelium von Jesus Christus gekommen. Menschen, die durch Online-Verkündigung und über Telefonate angesprochen worden sind, würden realisieren, dass Geld und Besitz sie nicht retten
kann. Es sei gelungen, innerhalb einer Woche 40.000 Bibeln zu verteilen.

Politische Querelen und der Vertrauensverlust Chinas
[SCMP] Frau van der Leyen, Präsidentin der EU-Kommission, lobte mit warmen Worten die Regierung Taiwans für eine Spende von 5,6 Mio. Masken an die EU. Dies hat nun zu harschen Protesten auf der chinesischen Seite geführt, für die Taiwan als eine abtrünnige Provinz gilt. Der tiefere Grund der Entrüstung liegt aber wohl wo ganz anders: Als China Anfang März große Mengen medizinischer Ausrüstung und ein großes Ärzteteam nach Italien sandte, da war von der EU kein anerkennendes Wort zu hören über diese Geste Chinas einem EU-Mitgliedsstaat gegenüber. Stattdessen warnte die EU ihre Mitgliedstaaten vor einer Einflussnahme Chinas durch Lieferung von medizinischem Material. Der Lobpreis von van der Leyen kam sicher auch nicht zufällig wenige Tage, nachdem Präsident Trump den „Taipei Act“ unterzeichnet hatte, eine Initiative an Verbündete, Taiwans politische Selbständigkeit zu unterstützen. Diese war durch die Weigerung der chinafreundlichen WHO, Taiwan wenigstens einen Beraterstaus zu gewähren, stark infrage gestellt worden. In der Anfangsphase der Corona-Epidemie hatte China die übliche Verschleierungstaktik angewandt und so deren Ausbreitung ermöglicht, Hilfslieferungen ins Ausland wurden später allzu offensichtlich nach politischem Kalkül gesteuert, die USA wurden hart beschuldigt wegen der Streichung der Flugverbindungen nach China, obwohl Chinas Freunde wie z. B. Russland, Iran und Pakistan schon vorher die Grenzen dicht gemacht hatten. In diesem Stil gingen die Querelen weiter und Peking verliert nun zunehmend das Vertrauen in der Welt.

XI Jinping besuchte Ningbo
[SCMP] An 10. März besuchte der chinesische Staatspräsident die Hafenstadt  Ningbo in der Provinz Zhejiang. Erstmals trat er dort bei einem Rundgang im Freien auf ohne eine Atemschutzmaske. Der Grund für diesen völlig überraschenden Besuch war schnell zu erkennen: XI Jinping regierte diese Provinz als Parteichef mit harter Hand ab 2002 bis er im Jahr 2007 zu höheren Weihen in Peking aufstieg und schließlich Parteipräsident wurde. Über den Hafen von Ningbo, dem drittgrößten Container-Umschlagplatz der Welt mit 27,5 Mio. Containern p. a., läuft ein großer Teil des chinesischen Exports. Nachdem XI drei Wochen zuvor bei seinem Besuch in Wuhan sich dafür feiern ließ, dass die Corona-Krise jetzt weitgehend unter Kontrolle sei, war sein Besuch in Ningbo nun das klare Signal dafür, dass sich jetzt alle Bemühungen auf die wirtschaftliche Gesundung und auf den Wiederaufstieg Chinas konzentrieren müssen.

Das übliche Verfahren
[SCMP] REN Ziquiang (69), Parteimitglied und einst Chef des staatlichen Immobilienkonglomerats Huayuan, war seit dem 12. März plötzlich spurlos verschwunden, nachdem er einen Artikel über das Versagen Pekings in der
Corona-Krise online stellte. Darin hatte er sich auch kritisch gegenüber dem Machtzuwachs von Präsident XI Jinping geäußert. Am 7. April hat nun die Disziplin- Kommission der Partei bekanntgegeben, REN werde wegen „Schwerem
Verstoß gegen Gesetz und Disziplin“ angeklagt.

Quelle: China – Informationen 2020 - 09