20.04.2020

Deutschland: Katholischer Pfarrer aus Nigeria verlässt Gemeinde

Nach Anfeindungen hält das Bistum Speyer die Situation für nicht länger zumutbar

Speyer/Queidersbach (idea) – Der aus Nigeria stammende katholische Pfarrer Patrick Asomugha wird seine Gemeinde im pfälzischen Queidersbach bei Kaiserslautern verlassen. Das teilte das Bistum Speyer am 17. April mit. Grund dafür sind massive Anfeindungen und Drohungen. Seit Mitte des vergangenen Jahres sei Asomugha, der seit August 2017 die Pfarrei Heiliger Franz von Assisi in Queidersbach leitet, immer wieder bedroht worden. Im Herbst 2019 wurden die Reifen seines Autos zerstochen. Im März dieses Jahres hätten Unbekannte auf dem Garagentor des Pfarrers eine Morddrohung hinterlassen. Zwei Tage später seien dann zwei Glasflachen mit wahrscheinlich alkoholischem Inhalt vor der Eingangstür des Pfarrhauses, in dem Asomugha im Obergeschoss wohnt, zertrümmert worden. Deshalb hätten er und das Bistum gemeinsam beschlossen, dass Asomugha die Gemeinde zum 20. April verlassen werde. Generalvikar Andreas Sturm erklärte dazu: „Die Sorge für den Schutz und die Gesundheit von Pfarrer Asomugha macht diesen Schritt unumgänglich.“ Die Pressestelle des Bistums teilte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea auf Nachfrage mit, dass zwar sämtliche Taten angezeigt worden seien, die Polizei aber bisher keine Urheber habe ermitteln können.

Pfarrer Asomugha: Ich kann meinen Aufgaben so nicht mehr nachkommen

Asomugha selbst bedauert, dass es so weit gekommen ist: „Ich kann unter diesen Umständen meinen Aufgaben als Pfarrer in Queidersbach nicht mehr nachkommen.“ Er habe in den letzten Monaten immer wieder zur Versöhnung aufgerufen. Die Angriffe gegen seine Person machten es inzwischen jedoch „nahezu unmöglich, in Queidersbach ein normales Gemeindeleben zu führen“. Dem Bistum zufolge wird Asomugha nun eine andere Aufgabe übernehmen.

Entsetzen über die Vorgänge

Der Diözesanvorstand des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Speyer geht von rassistisch motivierten Taten aus. Er sei „entsetzt, wenn Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder sonstigen Eigenschaften aus Angst ihre berufliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können oder ihre Stelle verlassen“ müssten. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Wenn das in unserem kirchlichen Kontext geschieht, schämen wir uns zutiefst. Jede Form von psychischer und physischer Gewalt gegen Menschen verurteilen wir.“ In Kirche und Gesellschaft dürfe es keinen Platz für Rassismus geben. Deshalb wolle man sich dafür einsetzen, „dass in unserer Kirche ein Klima für Verständnis, Respekt, Toleranz, faires Miteinander sowie die Grundlagen des Evangeliums weiter“ wüchsen.