20.04.2020

Niger: Lebenszeichen eines entführten Priesters aufgetaucht

Er war 2018 von Bewaffneten aus seinem Haus geholt worden


Agadez (idea) – Ein 2018 von bislang Unbekannten in Niger entführter katholischer Priester aus Italien scheint noch am Leben zu sein. Am 6. April tauchte ein 24-sekündiges Video auf, das im März aufgenommen worden sein soll. Das bestätigte das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea. Wie ihr Experte für Fragen der Religionsfreiheit, Berthold Pelster (München), sagte, zeigt das Video den Priester und Missionar Pier Luigi Maccalli (59) und einen weiteren Entführten, den italienischen Touristen Nicola Ciocco. Bewaffnete hatten den Geistlichen in der Nacht auf den 18. September 2018 in der Gemeinde Bomoanga nahe der Grenze zu Burkina Faso entführt. In dem Video sei der italienische Missionar eindeutig zu identifizieren. Pelster zufolge hat sich der Bruder des Entführten, der ebenfalls in Afrika als Missionar tätige Pater Walter Maccalli, erfreut über das Video gezeigt. Die Entführung liege lange zurück und man habe die ganze Zeit über kein einziges Lebenszeichen erhalten. Das Video könne möglicherweise der Auftakt für Verhandlungen mit den Entführern über eine Freilassung sein, so Walter Maccalli. Pier Luigi Maccalli gehört der Gesellschaft der Afrikamissionen an. Seit 2008 war er als Missionar in der Gemeinde Bomoanga tätig gewesen. In dieser Gegend leben sowohl Christen als auch Muslime.

Priester soll von Dschihadisten entführt worden sein

Das Video war der nigrischen Zeitung Aïr Info (Agadez) zugeschickt worden. Ihr zufolge wurden die beiden Italiener von der radikal-islamistischen Gruppierung Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin entführt, einem 2017 entstandenden Zusammenschluss mehrerer terroristischer Gruppen. Eine Bestätigung dafür gibt es aber nicht. In der Region südlich der Sahara kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Überfällen, Entführungen und Anschlägen durch radikale Gruppierungen. Laut dem Hilfswerk International Christian Concern (Washington D. C.) ist weiterhin unklar, warum Maccalli entführt wurde. Es habe bislang auch keine Lösegeldforderung gegeben. Da der Geistliche jedoch aus seinem Haus heraus entführt worden sei, müssten es die Bewaffneten gezielt auf ihn abgesehen haben. Im Niger sind rund 99 Prozent der etwa 23 Millionen Einwohner Muslime.