11.03.2015

Indien: Wird das Land zur reinen Hindu-Nation?

Bonn/Neu Delhi (idea) - In Indien werden Christen und Muslime gezwungen, Hindus zu werden. Das berichtet das Internetportal Qantara.de (Bonn). So seien die überwiegend muslimischen Bewohner in einem Elendsviertel in der nordindischen Großstadt Agra (Bundesstaat Uttar Pradesh) zu einer Versammlung eingeladen worden, um sich für Sozialleistungen registrieren zu lassen. Doch bei dem Treffen wurden Presseberichten zufolge eine Götterstatue aufgestellt und religiöse Gesänge angestimmt. Am Ende des Rituals sei den Teilnehmern mitgeteilt worden, dass sie nun Hindus seien. Der Vorfall vom 8. Dezember letzten Jahres habe eine heftige Kontroverse ausgelöst. Seitdem komme es in anderen Orten zu ähnlichen Zeremonien. Medienberichten zufolge wird dabei Druck ausgeübt. In manchen Fällen seien ihnen Geld, Land oder andere Vorteile versprochen worden. Wie es heißt, gehen die Kampagnen von den hindu-nationalistischen Parteien „Vishwa Hindu Parishad“ (VHP) und „Dharam Jagran Samiti“ (DJS) aus. Der DJS-Vorsitzende von Agra, Rajeshwar Singh, wird mit den Worten zitiert: „Unser Ziel ist es, Indien bis 2021 zu einer Hindu-Nation zu machen. Christen und Muslime haben kein Recht, hier zu bleiben. Entweder werden sie zum Hinduismus konvertiert oder gezwungen, von hier fortzugehen.“

Kritik: Ministerpräsident Modi schweigt zu den Kampagnen

Nach Angaben von Hindu-Nationalisten handelt es sich nicht um eine Konversion, wenn Christen oder Muslime zum Hinduismus übertreten, sondern um eine „Heimkehr“. Denn aus ihrer Sicht sind diese Menschen in Wahrheit Hindus, die nur unter dem Zwang muslimischer Eroberer oder christlicher Missionare ihren ursprünglichen Glauben aufgegeben hätten. Dass dieser Religionswechsel eventuell vor Generationen erfolgt sei, werde ausgeblendet, so Qantara.de. Die Vorfälle erhielten eine besondere politische Brisanz dadurch, dass Indiens Premierminister Narendra Modi (Neu Delhi) selbst einer hindu-nationalistischen Partei angehört, der „Bharatiya Janata Party“ (BJP). Er habe sich bisher nicht zu den Vorfällen geäußert. Kritiker werfen ihm vor, durch sein Schweigen diese Kampagne zu fördern. Von den 1,25 Milliarden Einwohnern Indiens sind 82 Prozent Hindus, zwölf Prozent Muslime und mindestens drei Prozent Christen. Die übrigen sind meist Anhänger von Natur- und Stammesreligionen. Die Internetplattform Qantara.de ist ein Projekt der Deutschen Welle, an dem auch das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen und die Bundeszentrale für politische Bildung beteiligt sind. Es wird vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert.