10.10.2019

Deutschland: Sie kümmert sich um über 900 Iraner und Afghanen

Ein Porträt von idea-Redakteur Klaus Rösler

Leben mit Schmerzen

(idea) Die Diakonisse der Landeskirchlichen Gemeinschaft „Haus Gotteshilfe“, Schwester Rosemarie Götz (Berlin-Neukölln), kümmert sich in Berlin um über 900 Iraner und Afghanen. Viele sind durch den Dienst der 79-Jährigen Christen geworden. Was viele nicht wissen: Sie hat ständig Schmerzen. 

„Ich bin eine Frohnatur und hart im Nehmen“, meinte die Diakonisse im Gespräch mit idea. Oft wacht sie nachts zu früh auf – wenn die Wirkung der Medikamente nachlässt. Die Tabletten helfen ihr, tagsüber zurechtzukommen. Bis 2011 fühlte sie sich fit – bis auf die Knie. Dann bekam sie zwei neue Kniegelenke. Seitdem hat sie Schmerzen. Woher sie kommen, haben Fachärzte bisher nicht feststellen können.

Zur Diakonisse von Gott berufen

Rosemarie Götz stammt aus dem Siegerland und hat Erzieherin gelernt. Bei einem Pfingstjugendtreffen in Marburg erlebte sie eine geistliche Berufung. Sie hatte den Eindruck, Gott frage sie, ob sie nicht Diakonisse werden wolle. Sie wollte nicht – sondern heiraten, eine Familie gründen, Kinder kriegen. Es kam aber anders: „Die Frage hat mich nie mehr losgelassen.“ Sie machte eine theologische Ausbildung und trat 1964 in das Diakonissenmutterhaus Hebron in Marburg-Wehrda ein. Sie absolvierte dort eine weitere Ausbildung zur Krankenschwester und war dann in der Jugendarbeit – auch überregional – tätig. Später wurde sie Gemeinschaftsschwester und Gemeinschaftspredigerin in Mittelhessen. Es folgten zwei Jahre in der Landeskirchlichen Gemeinschaft Duisburg-Rheinhausen. 1990 wurde sie vom Diakonissen-Mutterhaus nach Berlin ausgesandt. 17 Jahre kümmerte sie sich um Pietisten im Berliner Ortsteil Buckow. Im Ruhestand wollte sie sich einer neuen Herausforderung stellen und ging deshalb 2007 nach Neukölln.

Die dortige Gemeinde „Haus Gotteshilfe“ litt unter der Überalterung der Mitglieder. Neuer Schwung kam von unerwarteter Seite: Im Stadtteil lebten schon damals einige Iraner, die ihre Heimat verlassen hatten, weil sie als Christen verfolgt wurden. Sie schlossen sich der Gemeinschaft an. Schwester Rosemarie half ihnen beim Deutschlernen, indem sie mit ihnen die Bibel las. Das kam gut an – und immer mehr Perser kamen dazu. Heute besuchen bis zu 200 die Wochenveranstaltungen. Bis zu 100 nehmen sonntags am persischen Gottesdienst teil. Rund 450 hat sie inzwischen getauft. Dass einigen trotzdem die Abschiebung droht, weil ihr Asylantrag vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge abgelehnt wurde, macht sie sauer. Sie sagt: „Das sind vorbildliche Christen.“

Gott lässt auch Leid zu

Ihre Krankheit hat sie nicht an die große Glocke gehängt, aber auch nicht verschwiegen. Doch sie sagt, dass es sie nervt, wenn persische Glaubensgeschwister anfangen, für sie zu beten, und eine Woche später nachhaken, ob die Heilung bereits erfolgt ist. Sie muss dann erläutern, dass Gott auch Leid zulässt. Sie bekennt: „Ich nehme auch die Krankheit aus Gottes Hand.“ Es helfe ja nichts, mit einem langen Gesicht in der Umgebung für schlechte Stimmung zu sorgen. Allerdings habe sie schon noch ein konkretes Gebetsanliegen. Was sie dann äußert, verwundert. Es geht nicht vordringlich um ihre Genesung. Sondern sie wünscht sich Beter, die Gott bitten, dass er einen rüstigen Prediger im Ruhestand schickt, der ihre Arbeit weiterführt und die Mitarbeiter bei der missionarischen Arbeit unter den Persern unterstützt.