13.08.2019

Deutschland: Gedenken an den Mauerbau vor 58 Jahren

13. August: „Die Gewalt an der Grenze zerstörte viele Leben“

Berlin (idea) – Vertreter aus Politik, Kirchen und Verbänden haben des Mauerbaus gedacht, der am 13. August 1961 in Berlin begann. Der Pfarrer der Evangelischen Versöhnungsgemeinde Berlin, Thomas Jeutner, sagte in einer Andacht aus diesem Anlass, die Mauer habe in das Herz der Stadt geschnitten und Familien und Freunde getrennt. „Wer das erlebte, hat geahnt und gehofft ‚Das bleibt nicht’. Aber dass es 28 Jahre dauerte, bis die Mauer fiel, haben wir als großes Unheil empfunden“, so der Pfarrer. „Die Gewalt an der Grenze zerstörte viele Leben.“ Heute erinnert die Gemeinde jede Woche von Dienstag bis Freitag in einer Mittagsandacht an die Mauertoten. Zudem engagiert sie sich für heutige Flüchtlinge. „Ich habe erlebt, wie es die Geflüchteten berührt hat, wenn sie auf unserem Ausstellungsgelände die alte Berliner Mauer sehen, die Reste der Grenzanlagen, die Fotos der Tunnel und der Überlebenden von Fluchten“, so Jeutner. Hier verschränke sich Geschichte. Er rief dazu auf, sich gegen Antisemitismus, Fremdenhetze und Fundamentalismus einzusetzen. Bei der Veranstaltung sprach auch der Journalist und Zeitzeuge Jörg Hildebrand. Sein Vater war bis zum Mauerbau Pfarrer der Berliner Versöhnungskirche, die 1985 auf Geheiß des SED-Regimes gesprengt wurde. Die Versöhnungskirche, deren Glockengeläut auch nach dem 13. August 1961 eine Brücke zwischen dem Ost- und Westteil der Stadt gebildet habe, bleibe für ihn weit über den Mauerfall hinaus ein Zeichen hoffnungsvoller Versöhnung und Überwindung von Unrecht.

Motschmann: Mit neuen Formaten Interesse wecken

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), mahnte anlässlich des Jahrestages, trotz Jubel und Freude im 30. Jahr der Friedlichen Revolution die Toten und Opfer der Mauer nicht zu vergessen. „Beide Erinnerungen gehören zusammen“, so der Politiker. Der 13. August lehre, den Wert der Freiheit zu schätzen und sich bewusstzuwerden, dass Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat verteidigt werden müssten. „Das schulden wir nicht zuletzt denen, die an der Berliner Mauer ihr Leben verloren haben, und denen, die ihr Leben lang auf vielfältige Weise unter der Teilung und deren Folgen gelitten haben und leiden“, so Müller. Die kulturpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Elisabeth Motschmann (Bremen), rief dazu auf, den Tag des Mauerbaus im nationalen Gedächtnis wieder stärker zu verankern. Der 13. August 1961 sei vielen heute gar nicht mehr als Tag des Mauerbaus bekannt. Vor allem junge Menschen würden von der Erinnerungskultur nicht mehr erreicht: „Daher müssen wir neue, auch digitale Formen der Vermittlungs- und Zeitzeugenarbeit stärker nutzen.“ Als Beispiele nannte die Politikerin Liveübertragungen von Gedenkveranstaltungen im Internet, virtuelle Gedenkstättenbesuche sowie eine Geschichts-App.

Zwischen 1961 und 1988: Mehr als 100.000 Fluchtversuche

Mit dem Mauerbau wollte das DDR-Regime einen anhaltenden Flüchtlingsstrom nach Westdeutschland stoppen. Laut dem offiziellem Internetauftritt der Stadt Berlin unternahmen zwischen 1961 und 1988 weit über 100.000 DDR-Bürger einen Fluchtversuch über die innerdeutsche Grenze oder die Berliner Mauer. Mehr als 600 von ihnen starben dabei, etwa durch Schüsse von DDR-Grenzsoldaten. Allein an der Berliner Mauer kamen demnach mindestens 140 Menschen ums Leben.