01.08.2022

USA: „Entgleisung“: ZDF-Journalist spricht von „Talibanisierung Amerikas“

Der CDU-Politiker Hubert Hüppe kritisiert Elmar Theveßen scharf

Lautertal (IDEA) – Unentschuldbar, zynisch, Hetze: Der CDU-Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe (Unna) hat den Kommentar eines ZDF-Journalisten mit scharfen Worten kritisiert. Hintergrund ist die Aufhebung des abtreibungsfreundlichen Grundsatzurteils „Roe vs. Wade“ am 24. Juni: Künftig werden die Abtreibungsrechte, sofern der US-Kongress nicht tätig wird, von den Bundesstaaten festgelegt. Der Leiter des ZDF-Studios Washington, Elmar Theveßen, hatte diese Entscheidung in einem Kommentar auf zdf.de als „Talibanisierung Amerikas“ bezeichnet, weil das Urteil des Obersten Gerichtshofes weit über den Verzicht auf eine einheitliche Bundesregelung hinausgehe. Für Erzkonservative sei das Abtreibungsrecht nur der Anfang, so Theveßen. In einigen US-Landkreisen würden bereits „Bücher über den Holocaust, über den Rassismus in den USA und die Auswüchse des christlichen Fundamentalismus“ verboten. Theveßen weiter: „Was bitteschön unterscheidet diese menschenverachtenden und scheinheiligen Ideologen noch von den Taliban? Nicht mehr allzu viel.“

Hüppe: Eine solche Berichterstattung ist unseriös und tendenziös

Hüppe reagierte darauf am 26. Juli im Interview mit dem Blog „1600 Pennsylvania“ (Lautertal) entsetzt: Das sei eine „unentschuldbare zynische Entgleisung“, die er nur als Hate Speech (Hassrede) bezeichnen könne, sagte Hüppe: „Die Wiederherstellung des Rechts auf Leben mit den Verbrechen der Taliban zu vergleichen, zeigt wie unseriös und tendenziös die Berichterstattung in Deutschland ist.“ Es sei ein Skandal, dass man im öffentlich-rechtlichen Rundfunk so eine Hetze verbreiten dürfe: „Leider ist er da nicht allein.“ Hüppe – früherer Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (2009–2013) – ist stellvertretender Bundesvorsitzender der Christdemokraten für das Leben (CDL).

Amnesty International: Frauen sterben unter den Taliban einen „Tod in Zeitlupe“

Afghanistan steht auf Platz eins im Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim). Seit der Machtübernahme der Taliban am 15. August 2021 hat sich die Situation für religiöse und ethnische Minderheiten sowie Frauen stark verschlimmert: In einem am 27. Juli veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (London) heißt es, Frauen stürben einen „Tod in Zeitlupe“. Die Taliban zerstörten das Leben von Mädchen und Frauen. Mädchenschulen seien geschlossen worden, Frauen aus Berufen verdrängt und es habe einen sprunghaften Anstieg bei Kinder- und Zwangsverheiratungsraten gegeben. Frauen, die friedlich gegen diese repressiven Regeln protestierten, seien bedroht, verhaftet, inhaftiert und gefoltert worden oder verschwunden, beklagt Amnesty.