14.06.2022

Niger: Bildung für Mädchen verhindert Kinderheirat und Zwangsehen

Niamey (Fides) - "Die Schule ist ein wirksames Mittel, wenn es darum geht Früh- und Zwangsehen zu verhindern und Wissen über die Familienplanung zu verbreiten, die von den Paaren frei gewählt und nicht von der Tradition aufgezwungen wird", heißt es in einem Schreiben von Pater Marco Prada „Die Eltern beschweren sich oft, dass ein Mädchen, das zu Hause lebt, um zur Schule zu gehen, ein weiteres Maul zu stopfen ist", so der Priester der Gesellschaft für Afrikanmissionen weiter. „Deshalb haben viele Schulen in der nigrischen Hauptstadt die Internatsform gewählt, um Mädchen Unterkunft und Verpflegung sowie eine einladende und begleitende Atmosphären zu bieten."
So können etwa hundert Mädchen aus armen und benachteiligten Familien, vor allem aus dem Landesinneren, die Bildungseinrichtungen besuchen. "Das Bildungsprojekt entspricht den Bestrebungen des Präsidenten von Niger, Mohamed Bazoum, der die Bildung zu einer der Prioritäten seiner Amtszeit gemacht hat", fügt Pater Prada hinzu. "Zu den Zielen der Regierung gehört vor allem die Schulbildung von Mädchen. Die Eltern ziehen es vor, Töchter schon im Alter von 15 Jahren zu verheiraten. In der Tat werden 77 % der nigrischen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet, 28 % vor ihrem 15. Und so ist Niger seit Jahren das Land mit der höchsten Geburtenrate der Welt: im Durchschnitt sechs Kinder pro Frau".
"Wenn man für die Emanzipation der Frauen kämpft, wird man von unserer chauvinistischen und konservativen Gesellschaft sofort als Untertan der westlichen Kultur und ihrer Werte gebrandmarkt, die im Widerspruch zum Islam stehen. Man wirft uns vor, die traditionellen Werte Nigers zu zerstören", so Nafissatou Hassane Alfari, Leiterin eines Vereins für Frauenrechte in der nigrischen Gesellschaft. Auch die Dschihadisten, die muslimischen Extremisten, fürchten die Kraft der Veränderung der Schulen, und deshalb gehören Schulen zu den Infrastrukturen, die sie zerstören.
Hadiza Maiga kümmert sich auch um Mädchen, die die Schule abbrechen mussten, weil sie von Dschihadisten zur Heirat gezwungen wurden und sich einer Genitalverstümmelung unterziehen mussten, und sie gründete eine Nähschule. "Diese Mädchen konnten entkommen. Sie können nicht zu ihren Familien im Dorf zurückkehren, weil sie dort abgelehnt werden würde“. Hadiza nimmt sie auf, gibt ihnen ein Zuhause und die Möglichkeit, einen Beruf zu erlernen und sich selbständig und verantwortungsbewusst ein neues Leben aufzubauen.
(MP/AP) (Fides 14/06/2022)