12.05.2022

Nigeria – USA: Zwei Chibok-Mädchen schließen ihr Studium mit einem Master ab

IIRF-D/BF/Tübingen/12.05.22 - Zwei der 276 Schülerinnen, die 2014 von Boko Haram entführt wurden, haben in den Vereinigten Staaten ihren Master-Abschluss gemacht.

Lydia Pogu und Joy Bishara gehören zu den 57 Mädchen, die ihren islamistischen Entführern entkamen, indem sie kurz nach ihrer Entführung von einem fahrenden Lastwagen sprangen.

Lydia hat einen Master in Human Services Administration und Joy einen Master in Sozialarbeit an der Southeastern University in Lakeland, Florida, erworben.

Die Cousinen Lydia und Joy erhielten 2017 Stipendien von Southeastern und schlossen 2021 ihr Studium ab.

"Aufgrund der Geschehnissse und der Warnungen von Boko Haram hatte ich solche Angst, wieder zur Schule zu gehen", erklärt sie. "Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich lieber bei ihnen zu Hause bleibe und leide, als noch einmal zur Schule zu gehen. Ich dachte, alle meine Träume hätten sich geändert, aber Gott hatte einen anderen Plan für mich."

Lydia plant, Menschenrechtsanwältin zu werden. Joy hofft, in Chibok eine gemeinnützige Organisation zu gründen, die, wie sie sagt, "diejenigen aufnimmt, die in einer gewalttätigen Beziehung verletzt wurden; die von Boko Haram angegriffen wurden; die ihr Eigentum verloren haben und keine Nahrung mehr haben". 

Die 1935 gegründete Southeastern University ist eine christlich geprägte Hochschule. Motto: „Wir haben uns verpflichtet, eine christliche Hochschulausbildung anzubieten, die die nächste Generation dazu befähigt, als einflussreiche, dienende Führungspersönlichkeiten in ihrer Karriere und in ihren Gemeinden in die Welt zu gehen."

Am 14. April 2014 entführten islamistische Extremisten 276 Mädchen, zumeist Christinnen, aus einer Sekundarschule in Chibok im Nordosten Nigerias. Etwa 160 der Mädchen konnten in der Folge entkommen, wurden gerettet oder freigelassen. Die Mädchen berichteten, dass sie von ihren Entführern ausgepeitscht wurden, um sie zur Heirat zu zwingen, während eine Gruppe christlicher Mädchen eine Scheinhinrichtung erlebte, weil sie sich weigerten, zum Islam zu konvertieren.

Zu diesem Bericht ein Kommentar von Barnabas Fund:

Boko Haram lässt sich frei mit "Bildung ist verboten" übersetzen und bezieht sich auf die moderne, westlich geprägte Bildung.

Die extremistische Auslegung von Boko Haram wird auch von anderen islamistischen Gruppen geteilt, z. B. von den Taliban in Afghanistan, die im März 2022 Mädchengymnasien schlossen - nur wenige Stunden, nachdem sie zum ersten Mal seit der Machtübernahme der Taliban sieben Monate zuvor wieder geöffnet worden waren.

Ihre Entführer  - so Lydia - sagten ihr, "dass die Schule ein Tabu für Frauen ist. Sie warten uns, dass sie uns holen werden, wenn wir wieder zur Schule gehen. Ich habe persönlich beschlossen, nicht mehr zur Schule zu gehen, weil sie uns gesagt haben, dass sie uns überall finden würden, wo wir hingehen.“

Doch mit Hilfe einer in den USA ansässigen Wohltätigkeitsorganisation konnten Lydia und Joy in den USA studieren. Sie schlossen zunächst die High School an der Canyonville Christian Academy ab, dann einen Bachelor-Abschluss an der Southeastern University und schließlich einen Master-Abschluss an der gleichen Einrichtung.

Jetzt wollen die beiden Frauen ihre Fähigkeiten nutzen, um anderen Opfern von Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu helfen.

Die Geschichte von Lydia und Joy zeigt, wie wichtig es ist, den Verfolgten und Ausgegrenzten Bildungschancen zu bieten - ein Anliegen, das dem Barnabas Fund sehr am Herzen liegt.

Durch unser Living Streams-Schulplatzpatenschaftsprogramm und andere Bildungsprojekte unterstützen wir 120 Schulen in Pakistan, die mehr als 11.000 christlichen Kindern eine christliche Ausbildung ermöglichen.  

 

Wir finanzieren auch die Erwachsenenbildung, wie z. B. Alphabetisierungskurse für Erwachsene im Senegal, die es vielen Gläubigen dort ermöglicht haben, das Wort Gottes selbst zu lesen und dadurch ihren christlichen Glauben zu vertiefen, sowie ähnliche Alphabetisierungskurse für Ziegelsteinfamilien in Pakistan. 

Über das Oxford Centre for Religion and Public Life, zu dem auch die Shepherd's Academy gehört, bieten wir Kirchenleitern aus 23 Ländern pastorale und theologische Ausbildungsmöglichkeiten an - von Kurzkursen bis hin zu Doktoratsstudien.

Quelle: Barnabas Fund 10. Mai 2022