14.05.2022

Nigeria: Gewaltbekämpfung

Aufgabe der Regierung und kirchliches Anliegen

Sokoto (Fides) – „Die Welle der Gewalt reißt nicht ab und zwingt die Bevölkerung in die Knie“, so Pfarrer Lawrence Emehel, der die Abteilung für Entwicklung der Diözese Sokoto leitet, zu der neben dem Bundesstaat Sokoto auch die Bundesstaaten Kebbi, Katsina und Zamfara gehören, gegenüber Fides. "Die Banden die hier aktiv sind", erklärt er, "haben verschiedene Hintergründe. Bei einigen handelt es sich um örtliche Fulani-Hirten, die sich nach gewaltsamen Zusammenstößen mit Landwirten in der Region an diesen rächen wollen. Bei anderen handelt es sich um Fulani-Nomaden aus dem Ausland, die ihren "Brüdern" im Kampf gegen die bäuerlichen Gemeinschaften zu Hilfe gekommen sind. Sie kommen aus der Sahelzone, Burkina Faso, Mauretanien oder anderen Gebieten zu uns. Und schließlich gibt es eine Grauzone, in der lokalen Banditen aktiv sind, die sich zum Teil Boko Haram anschließen und dabei das durch die allgemeine Unsicherheit entstandene Vakuum ausnutzen".
"Terroristen, die sich der islamischen Ideologie bedienen, mischen sich in das Chaos ein und führen Entführungen durch oder verlangen Zölle und Schutzgelder von Dorfbewohnern und Reisenden“, so der Priester weiter, „Natürlich bekennen sie sich alle zur islamischen Religion, aber aus den Berichten der Entführten und Freigelassenen geht hervor, dass sie nicht wirklich im Namen des Glaubens handeln. Sie töten in der Regel aus Rache. Oder töten, wenn sie auf der Flucht vor der Armee sind, die sie jagt".
In Nigeria gab es unterdessen zahlreiche Proteste gegen die Untätigkeit der Regierung bei der Verhinderung oder Eindämmung von Zusammenstößen in vielen Teilen des Landes.
„Die Antwort der Regierung auf diese Situation ist zweifellos mangelhaft", stellt der katholische Geistliche fest, „Sie hat die Ressourcen nicht vollständig genutzt, um den Nachrichtendienst zu stärken und das Problem durch angemessene Maßnahmen einzudämmen. Es ist die verfassungsmäßige Aufgabe der Regierung, die Sicherheit des Lebens und des Eigentums der Bürger zu schützen. Sie muss dafür zu sorgen, dass ihre Arbeit ohne Bedrohung und Terrorismus abläuft. Es heißt, dass die von der Regierung geschaffene Sicherheitsarchitektur oft auch wegen der ethnisch-religiösen Spaltung der Beamten nicht standhält. Viele von ihnen kommen aus dem Norden und sind Muslime. Natürlich sollte dies unter normalen Umständen kein Hindernis für eine gute Regierungsführung darstellen, aber die Entscheidungen der Führung sollten von Verdienst und Kompetenz geprägt sein“.
In diesem Rahmen dürfe die katholische Kirche nicht tatenlos zusehen, erklärt der Priester. Die Aufrufe von Bischöfen und Abgeordneten zur Versöhnung und zu einem wirksameren Vorgehen der Regierung seien deshalb zahlreich.
"Der katholische Bischof von Sokoto, Bischof Matthew Hassan Kukah, ist eine der Stimmen, die die ernsten Risiken des Systems anprangern“, betont er dazu, „Er hat sich mutig durch direkte Botschaften an den nigerianischen Präsidenten zu Wort gemeldet, und seine Interventionen haben eine breite Debatte ausgelöst. Durch die Kommissionen für Entwicklung, Dialog und Ökumene, Bildung und landwirtschaftliche Entwicklung hat er sich weiterhin für gute Beziehungen zwischen der muslimischen Mehrheit und der christlichen Minderheit in der Region eingesetzt“. Und „die Kirche hat die von den Zusammenstößen betroffenen Gemeinden unterstützt und organisiert Begegnungen zwischen muslimischen und katholischen Frauen sowie zwischen jungen Menschen beider Religionen. All diese Maßnahmen sollen die friedlichen Koexistenz und die Inklusion begünstigen".
(LA-PA) (Fides 14/5/2022)