24.05.2022

Deutschland: Lebensrechtler an Regensburger Uni unerwünscht

Studentenrat lehnt Zulassung von „ProLife Europe“-Gruppe ab

Regensburg (IDEA) – Die Studentenvertretung der Universität Regensburg hat die Zulassung einer Lebensrechtsgruppe an der Hochschule abgelehnt. Das wertete der Trägerverein „ProLife Europe“ (Weißenhorn im Landkreis Neu-Ulm) als „Meinungszensur“ und startete eine Online-Petition. Bis Ende August sollen 10.000 Unterschriften für eine Zulassung gesammelt werden. Wie der Verein mitteilte, hatten sieben Studenten im vorigen Jahr die Akkreditierung von „ProLife Regensburg“ beim „Studentischen Sprecher*innenrat“ an der Universität beantragt. Ziel der Gruppe sei es, mit Kommilitonen über Abtreibung zu diskutieren und über Hilfen im Schwangerschaftskonflikt zu informieren. Zugelassene Gruppen dürfen Broschüren an der Universität auslegen und Räume für Treffen nutzen. Der „Sprecher*innenrat“, der über Anträge von Arbeitskreisen und Hochschulgruppen entscheidet, habe eine Absage erteilt, ohne konkrete Gründe zu nennen. Die Hochschulleitung habe den Beschluss bestätigt. Nach Ansicht der Initiatoren kommt die Ablehnung einem Verbot von Information über Abtreibung und über Hilfen für Schwangere gleich. „Meinungsfreiheit hat keinen Platz an der Uni Regensburg“, kritisierte die Gruppe in der Mitteilung. Es sei „unfassbar, dass Gruppen wie ‚AK Divers‘ oder ‚Amnesty International‘ an der Uni organisatorische Unterstützung, Uni-Räume und Ausrüstung zur Verfügung gestellt bekommen, aber unserer Gruppe die Arbeit an der Uni verwehrt wird“, erklärte der Student Stefan Landwehr. „Wir sind mit unserem Thema einfach nicht erwünscht.“

Studentenvertretung: Keine Anerkennung bei Diskriminierung

Gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA bestätigte die Sprecherin des „Studentischen Sprecher*innenrats“, Sabrina Thomas, die Ablehnung von „ProLife Regensburg“. Die Entscheidung beruhe auf den selbst auferlegten Richtlinien. Demnach würden Gruppen oder Vertreter, die kommerziell und „aufgrund rassistischen, sexistischen oder allgemein diskriminierenden Inhalten auffällig wurden“ abgelehnt. Wie Thomas erklärte, ist über das Twitter-Konto der Gruppe „frauenfeindlicher Content“ (Inhalt) geteilt worden. „Zudem ist ihre europaweite Übergruppe bereits mehrfach aufgrund von Diskriminierung negativ aufgefallen.“ Als Beispiel nannte sie die Forderung eines Verbotes der „Ehe für alle“. Dadurch würden homosexuelle Paare diskriminiert. Ferner verwies sie auf einen Zeitungsartikel über eine Protestaktion in Polen. Hier habe „die Pro-Life Bewegung homosexuelle Personen als Pädophile dargestellt“, so Thomas.

„ProLife Europe“ fordert differenzierten Blick

Die „ProLife Europe“-Regionalleiterin Deutschland, Miriam Becker (Weißenhorn), erklärte gegenüber IDEA, die Vorwürfe träfen weder auf den Trägerverein noch auf die Regensburger Gruppe zu. Der Verein sei gemeinnützig und nicht kommerziell. Zudem seien auf dem Twitter-Konto der Regensburger Lebensschützer ausschließlich Inhalte geteilt worden, in denen es um den Schutz jeden menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod geht. Becker kritisierte, der „Sprecher*innenrat“ setze den Verein mit der ganzen Pro-Life Bewegung gleich. Auch werde in dem Zeitungsartikel von Aktionen einer polnischen Lebensrechtsgruppe berichtet, die in keinerlei Verbindung zu ihrer Organisation stehe. Becker: „Wir können keine Verantwortung für Aktionen und Statements der gesamten europäischen und weltweiten Pro-Life Bewegung übernehmen.“ Sie bedaure, dass die Studentenvertretung aufgrund von Vorurteilen entschieden habe. Dabei habe das Thema Hilfen im Schwangerschaftskonflikt „sicher auch für Studentinnen an der Universität Regensburg Relevanz“, so Becker. Ihr zufolge ist Regensburg kein Einzelfall. Seit 2020 wurde „ProLife Europe“ nach eigenen Angaben von sechs Universitäten im deutschsprachigen Raum ausgeschlossen.Die Organisation wurde 2019 gegründet und ist nach eigenen Angaben derzeit mit 23 Gruppen in neun europäischen Ländern aktiv. In Deutschland gebe es derzeit neun „ProLife Europe“-Gruppen mit jeweils bis zu 25 Studenten. Wie die Organisation erklärt, werden Gruppen an Universitäten gegründet und Studenten dafür geschult, das Leben auf der Grundlage von philosophischen, biologischen und ethischen Prinzipien zu verteidigen.