22.09.2022

Kamerun: Lösegeldforderung nach Entführung

“Wir wollen durch Zahlung keinen Präzedenzfall schaffen”

Yaoundé (Fides) - "Wir werden den Entführern der 9 Personen, die bei dem Überfall auf die Kirche St. Mary im Dorf Nchang  in der anglophonen Region Kameruns entführt wurden, keinen einzigen Pfennig zahlen", bekräftigt der Vorsitzende der Bischofskonferenz von Kamerun, Mgr. Andrew Nkea Fuanya, Erzbischof von Bamenda, der die Zahlung des von den Entführern geforderten Lösegeldes "einem Präzedenzfall schaffen würde".
Erzbischof Nkea berichtete, dass die Entführer, die zu den separatistischen Kämpfern gehören sollen, zunächst ein Lösegeld von 100.000 USD forderten, dann aber nachgaben und schließlich nur noch 50.000 USD verlangten. Im Gespräch mit Journalisten betont der Erzbischof auch, dass die Separatisten erkärten, man habe die Marienkirche in Nchang angegriffen und in Brand gesetzt, weil die katholische Kirche den separatistischen Kampf nicht unterstütze.
Bei den entführten Priestern handelt es sich um Pfarrer Emmanuel, Pfarrer Barnabas, Pfarrer Cornelius, Pfarrer Elias und Pfarrer Job-Francis. Neben den fünf Priestern wurden auch Schwester Jacinta und drei Laienmitarbeiter der Gemeinde entführt: die Katholikin Kelechukwu, der Mitarbeiter Nkem Patrick und eine junge Frau, Blanch Bright.
Bischof Aloysius Fondong Abangalo von Mamfe, der die niedergebrannte Gemeinde besuchte, macht die jugendlichen Separatisten aus dem Dorf Nchang für die Tat verantwortlich, die als "Amba Boys" bekannt sind.
Der Sprecher der Bischofskonferenz von Kamerun, Pfarrer Humphrey Tatah Mbuy, betonte, dass "es bereits in der Vergangenheit Entführungen von Ordensleuten gegeben hat“. „Aber das waren Einzelfälle. Ein solcher Angriff scheint geplant zu sein, wobei die Kirche niedergebrannt und neun Personen entführt wurden. Es ist ein einzigartiger Fall", so der Geistliche.
Die im Nordwesten und Südwesten des überwiegend französischsprachigen Landes lebende englischsprachige Bevölkerung fühlt sich von den Institutionen, insbesondere in Schulen und Gerichten, diskriminiert und hat im Laufe der Jahre ihre Ressentiments gegenüber dem kamerunischen Staat verstärkt. Die zunächst friedlichen Proteste eskalierten zu bewaffneten Kämpfen und 2017 zur Ausrufung eines unabhängigen Staates, der so genannten "Föderalen Republik Ambazonien" ,  die von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt wird.
(L.M.) (Fides 22/9/2022)