22.09.2022

Weltweit: Dort, wo es brennt - Christen werden verfolgt

IDEA-Redakteurin Julia Bernhard stellt drei unterschiedliche Einsätze in Nigeria, Nepal und im Irak vor.

(IDEA) Weltweit werden Christen verfolgt. Die notleidenden Menschen brauchen in ihrer jeweiligen Heimat finanzielle, ideelle und tatkräftige Unterstützung. Allein ein gutes Dutzend christlicher Organisationen mit Sitz in Deutschland ist in vielen Brennpunkten der Welt aktiv – darunter ist auch die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (HMK). Derzeit laufen bei der HMK 170 Projekte. IDEA-Redakteurin Julia Bernhard stellt drei unterschiedliche Einsätze in Nigeria, Nepal und im Irak vor.

Nigeria: Überlebenshilfe für Flüchtlinge

Christen in Nigeria leiden seit Jahrzehnten unter Verfolgung. Sie werden – wie moderate Muslime auch – von der Islamistenmiliz Boko Haram immer wieder angegriffen. Ebenso überfallen muslimische Fulani-Hirten vor allem im Norden des Landes Dörfer, brennen Häuser nieder, zerstören die Ernten der zumeist christlichen Bauern, entführen und töten Menschen. Jährlich werden in Nigeria Tausende Christen ermordet. Hinzu kommen in manchen Regionen Diskriminierungen durch Behörden.

Viele Christen, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden, suchen in Flüchtlingslagern Zuflucht. Sie leiden Hunger, sind körperlich schwer angeschlagen, traumatisiert und haben oft keine Zukunftsperspektiven mehr. „In letzter Zeit haben unsere Partner vor Ort auch Seelsorge angeboten. Das Bedürfnis danach ist sehr groß“, berichtet Lara Ratschat, Projektkoordinatorin bei der HMK. Gemeinsam mit einem örtlichen Partner versorgt die HMK derzeit etwa 12.000 Menschen in fünf Lagern mit medizinischer und psychosozialer Hilfe sowie Hygieneartikeln und Nahrungsergänzungsmitteln. Am schlimmsten habe es die Kinder getroffen, sagt Ratschat: „Die Hälfte der Bewohner ist minderjährig. Viele haben ihre Eltern und Geschwister bei Angriffen verloren oder haben mitbekommen, wie ihre Familien anderweitig verletzt wurden.“ Einige seien zusätzlich unterernährt und brauchten sowohl für den Körper, aber auch für die Seele Hilfe.

Wie lange die Menschen in den Lagern Schutz suchen müssen, ist ungewiss. Einige Familien versuchten, schnell in ihre Heimat zurückzukehren und ihre Häuser wieder aufzubauen: „Aber für viele ist das fast unmöglich, weil ihnen die Ressourcen dazu fehlen. Außerdem haben sie natürlich Angst. Es gibt keine Sicherheit dafür, dass ihnen das nicht noch mal passiert. Sie sind politisch nicht geschützt.“ In dieser ungewissen Zukunft versuchten die Mitarbeiter, Gottvertrauen zu vermitteln: „Die Menschen melden uns zurück: Die Hilfe, die wir bekommen, zeigt uns, dass Gott uns nicht vergessen hat und auch in den ganz großen Schwierigkeiten versorgt.“

Nepal: Fortbildung für Pastoren

Der südasiatische Staat Nepal, zwischen China und Indien gelegen, ist vor allem bekannt für den Mount Everest, den höchsten Punkt der Erde. 8.848 Meter misst der Berg im Himalaya-Gebirge. Niedrig ist dagegen die Zahl der Christen in dem vorwiegend hinduistischen Land. Obwohl Nepal laut Verfassung säkular ist, werden die Christen dort schon länger von radikalen Hindu-Gruppen bedrängt. Eine neue Verfassung schränkte 2015 die Freiheit zur Missionierung und Konversion ein. Seit 2018 droht allen aktiven Evangelisten bis zu fünf Jahren Gefängnisstrafe.

Dennoch sind in Nepal viele Christen unterwegs, die das Evangelium unter die Menschen bringen wollen, wie Ratschat erzählt: „Unser Projektpartner betet dafür, dass in jedem Dorf eine lebendige Kirchengemeinde entsteht.“ Dafür müssen unter erschwerten Bedingungen Pastoren ausgebildet werden. „Die Regierung darf auf die Evangelisten nicht aufmerksam werden.“ Es sei ein Geschenk Gottes, dass seit 2017 mehr als 20.000 Christen an den Ausbildungskursen teilnehmen konnten: „Die Spanne der Teilnehmer ist weit: Manche sind einfache Gemeindemitglieder. Aber wir haben auch 50 Pionier-Missionare geschult, die jetzt in Gebiete hinausgehen, in denen die Gute Botschaft noch nie verkündet wurde.“

Irak: Hilfe zur Selbsthilfe

Die Christen im Irak sind eine winzige Minderheit: Lediglich rund 166.000 leben noch dort. Vor der angloamerikanischen Invasion 2003 gab es im Land etwa 1,2 Millionen Gläubige. Im Anschluss nahm die antiwestliche und antichristliche Stimmung zu. Als dann auch noch der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) 2014 ein Kalifat ausrief, wurden viele Christen gewaltsam aus den zuvor mehrheitlich christlichen Städten rund um das nordirakische Mossul vertrieben. Viele von ihnen lebten zunächst in Flüchtlingslagern im kurdischen Erbil.

 

Seit 2016 kehren einige in ihre alte Heimat zurück. Allerdings finden sie dort nichts mehr vor, wie es einmal war. „Sie müssen sich eine komplett neue Lebensgrundlage aufbauen. Sie haben nichts mehr. Ihr Grundbesitz wurde ihnen genommen und ihre Häuser sind zerstört, ihre Arbeit ist weg“, weiß Ratschat. Um die Menschen wieder auf eigene Beine zu stellen, unterstützt die HMK pro Jahr ein bis zwei kleine Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte im Irak. In diesem Jahr hätten sie einem Christen geholfen, einen Imbiss zu eröffnen: „Wir unterstützen ihn in der Finanzierung der dazu notwendigen Küchengeräte und helfen die ersten Monate bei der Miete des Ladenlokals.“

Nach dem ersten Jahr hoffe man, dass die Menschen ihre Geschäfte eigenverantwortlich weiterführen können: „Meistens klappt das auch. Diese Leute wollen ihre Familien wirklich selber versorgen und stecken wahnsinnig viel Kraft in ihr kleines Unternehmen, außerdem werden sie weiter von dem lokalen Partner besucht“, so Ratschat. Dennoch könne es natürlich passieren, dass sie erneut fliehen müssten. „Wichtig ist aber, dass sie die Chance bekommen, sich ein neues Leben aufzubauen. Sie sind froh, dass wir ihnen helfen, und sagen: Gott greift genau im richtigen Moment ein.“