22.01.2023

Naher Osten: Christen brauchen mehr Einheit

Kirchenführer: Das Überleben der Minderheit ist bedroht


Bagdad/Wien (IDEA) – Die christlichen Minderheiten im Nahen Osten müssen stärker zusammenstehen, um ihr Überleben zu sichern. Dazu hat sie der chaldäisch-katholische Patriarch, Kardinal Louis Raphael Sako (Bagdad), aufgerufen. Er äußerte sich in einer Botschaft zur ökumenischen Gebetswoche für die Einheit der Christen, die vom 18. bis 25. Januar weltweit begangen wird. Die Christen im Nahen Osten sollten wachsam in ihren Ländern sein, „die von Konflikten, Diskriminierung und Gewalt geprägt sind und die Auswanderung und Migration fördern“, erklärte Sako in seinem Appell, den der Nachrichtendienst „Pro Oriente“ (Wien) veröffentlicht hat. Die christlichen Kirchen im Nahen Osten seien „auf fatale Weise von der Gesellschaft, in der sie leben, abhängig“. Sako beobachtet eine Konkurrenz zwischen den verschiedenen kirchlichen Traditionen und eine Überschneidung zwischen ethnisch-nationaler Identität und kirchlicher Zugehörigkeit. Außerdem erscheine die Verkündigung vieler Geistlicher abgehoben vom alltäglichen Leben. Manche Weihnachts- und Neujahrsbotschaften berührten „weder die Gefühle der Empfänger, noch nähren sie ihre Hoffnung, noch spenden sie Trost und Erfrischung“, so Sako. Wie er schon im Mai 2022 auf dem Katholikentag in Stuttgart ausführte, werden Christen in den islamisch geprägten Ländern der Region häufig als Bürger zweiter oder dritter Klasse behandelt. Die chaldäische Kirche, der er vorsteht, ist mit der römisch-katholischen Kirche verbunden und hat über 500.000 Mitglieder vor allem im Irak und in Syrien.

Vor allem junge Christen sind Schikanen ausgesetzt

In nahöstlichen Ländern wie Syrien, Irak, Jordanien und den Palästinensischen Gebieten schrumpft die christliche Bevölkerung. Das geht aus dem am 18. Januar veröffentlichten Weltverfolgungsindex des überkonfessionellen Hilfswerks Open Doors (Kelkheim bei Frankfurt am Main) hervor. Vor allem in Syrien und dem Irak hätten Christen nach dem Aufkommen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und der Verbreitung islamistischen Gedankenguts Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Besonders Jüngere erlebten Schikanen im Bildungswesen und bei den Behörden; viele wollten daher auswandern. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen wird in Deutschland von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) organisiert, die nach eigenen Angaben rund 50 Millionen Christen in 18 Kirchen und sieben Gastmitgliedskirchen vertritt. Der zentrale Gottesdienst für die Gebetswoche findet am 22. Januar in der Freien evangelischen Gemeinde in Frankfurt am Main statt. Die Predigt hält der ACK-Vorsitzende, der griechisch-orthodoxe Erzpriester Radu Constantin Miron (Brühl bei Bonn).