23.01.2023

Peru: Katholische Bischöfe wollen vermitteln

“Gewalt ist keine Lösung”

Lima (Fides) – Die Zahl der Opfer der blutigen regierungsfeindlichen Proteste, die Peru seit dem 7. Dezember anhalten, als Präsident Pedro Castillo des Amtes enthoben und wegen eines versuchten Staatsstreichs verhaftet wurde, während ihm die bisherige Vizepräsidentin Dina Boluarte in diesem Amt folgte, ist gestern auf 62 gestiegen. Die Demonstranten fordern im Rahmen von Streiks und Blockaden von Straßen, Eisenbahnverbindungen und Flughäfen den Rücktritt von Boluarte und die Auflösung des Kongresses.
Wie die Polizei mitteilt wurde bei den gestrigen Zusammenstößen in La Joya ein Polizist entführt und seither als Geisel gehalten. Die Zahl der Verletzten im ganzen Land hat inzwischen 1.200 überschritten, während es erhebliche Sachschäden an Gebäuden und Grundstücken gibt. Die Proteste und die anschließenden Zusammenstöße mit der Polizei breiteten sich auf weite Teile des Landes aus, einschließlich der Hauptstadt Lima. Die peruanische Regierung ab dem 15. Januar in verschiedenen Regionen einen 30 Tage dauernden Notstand verhängt und die geltende Ausgangssperre im Departamento Puno, dem Epizentrum der Unruhen, verlängert. Präsident Boluarte schließt unterdessen ihren Rücktritt aus (vgl. Fides vom 1/10/2023).
Auch Papst Franziskus erinnerte in seiner Ansprache nach dem Angelusgebet an die Unruhen in Peru: „Ich will auch dafür beten, dass die Akte der Gewalt in Peru enden mögen. Gewalt vernichtet die Hoffnung auf eine gerechte Lösung der Probleme. Ich ermutige alle Beteiligten, den Weg des Dialogs unter Geschwistern der gleichen Nation einzuschlagen, unter voller Achtung der Menschenrechte und des Rechtsstaats. Ich schließe mich den peruanischen Bischöfen in ihrem Ruf an:, keine Gewalt, woher sie auch kommt. Schluß mit dem Töten!`. Bereits beim Angelusgebet am Sonntag, den 18. Dezember, hatte Papst an die Situation in Peru erinnert: „Wir beten auch für den Frieden in Peru, damit die Gewalt im Lande aufhört und der Weg des Dialogs eingeschlagen wird, um die politische und soziale Krise zu überwinden, unter der die Bevölkerung leidet.“
Die Ortskirche und die Vertreter der verschiedenen in Peru vertretenen Religionen und Glaubensgemeinschaften rufen immer wieder zum Dialog und zur Beendigung der Gewalt auf. Zuletzt äußerten sich die Bischöfe am Ende der 124. Vollversammlung der Bischofskonferenz. Sie fordern in ihrem gemeinsamen Appell die Behörden und alle politischen Akteure auf, einen einvernehmlichen Ausweg aus der schweren Krise und der laufenden "harten politischen und sozialen Konfrontation" zu finden. Die Bischöfe bieten erneut ihren Dienst an, „um zu vermitteln und Brücken der Begegnung zu bauen“.
Die Bischöfe bringen in diesem Zusammenhang den Schmerz über die entfesselte Gewalt zum Ausdruck, „weil Gewalt nur noch mehr Gewalt erzeugt“. Gleichsam beklagen sie den Tod vieler peruanischer Brüder und Schwestern, der „eine tiefe Wunde in den Herzen unseres Volkes ist " und bedauern das Leid aller Verwundeten, Zivilisten und Polizisten. „Das erfordert einen entschiedenen Kurswechsel: Wir wollen Frieden!“ schreiben die Bischöfe und betonen, dass diese Gräueltaten "nicht ungesühnt bleiben können" und die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgt und bestraft werden müssen.
Die Bischofskonferenz wünscht ein Ende der Polarisierung und warnt davor, „sich gegenseitig zu verletzen“, denn „diese Situation erfordert Dialog, Zuhören und Entscheidung“. „Es ist an der Zeit, dass sich die Behörden und alle politischen Akteure verantwortungsvoll engagieren, um einen einvernehmlichen Weg aus dieser schweren Krise zu finden“, mahnen sie, „Es ist an der Zeit, aufzublicken und sich der Begegnung und Versöhnung mit der Gerechtigkeit zu nähern. Das Land darf nicht weiter in Angst, Angst und Unsicherheit verharren. Wir übernehmen die Verpflichtung, Peru wieder aufzubauen, und wir fordern auch die Zivilgesellschaft auf, ihre Verantwortung zu übernehmen.“
(SL) (Fides 23/1/2023)