22.04.2020

Syrien: Vor sieben Jahren wurden zwei orthodoxe Bischöfe entführt

Kauder: Die Tat hat eine tiefe Wunde in das Leben der dortigen Christen gerissen

Berlin/Göttingen (idea) – Politiker und Menschenrechtler haben an zwei Kirchenleiter erinnert, die vor sieben Jahren in Syrien entführt wurden: den syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorius Yohanna Ibrahim, und den griechisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo und Iskenderun, Boulos Yazigi. Sie wollten damals über die Freilassung eines von Islamisten verschleppten Priesters verhandeln. Auf dem Weg zu dem angeblichen Treffen wurde ihr Wagen am 22. April 2013 im Westen von Aleppo unweit der türkischen Grenze gestoppt und ihr Fahrer, ein Diakon, erschossen. Bisher hat sich niemand zu der Tat bekannt. Es wird aber vermutet, dass Islamisten dafür verantwortlich sind. Das Schicksal der Kirchenleiter ist nach wie vor ungeklärt. Der Bundestagsabgeordnete Volker Kauder – in der CDU/CSU-Fraktion zuständig für Wertethemen, Religionsfreiheit und Einsatz gegen Christenverfolgung – erklärte, die Entführung der beiden Erzbischöfe habe eine tiefe Wunde in das Leben der Christen in Syrien gerissen. Sie gälten als Fürsprecher einer friedlichen Koexistenz der dortigen Religionsgemeinschaften. Diese Botschaft des Miteinanders und des Friedens sei heute wichtiger denn je. Kauder: „An der Seite der syrisch-orthodoxen und griechisch-orthodoxen Christen in aller Welt erinnern wir uns heute an die Bischöfe und mit ihnen an alle Christen in Syrien, die Opfer von Gewalt und Verfolgung wurden.“ Der Vorsitzende des Stephanuskreises der CDU/CSU-Fraktion, Heribert Hirte, nannte das Schicksal der beiden Erzbischöfe „beispielhaft für das Leid, das durch die Verfolgung aufgrund religiöser Merkmale entsteht“. Gegen eine solche Verfolgung stelle sich der Stephanuskreis. Dieser ist ein überkonfessionelles Gesprächsforum, das für Toleranz und Religionsfreiheit eintritt und sich um die Situation verfolgter Christen in aller Welt kümmert.

Gesellschaft für bedrohte Volker hofft weiter auf eine Rückkehr der Bischöfe

Die Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen äußerte sich ebenfalls zum siebten Jahrestag der Entführung. „Auch nach sieben Jahren bangen Wartens bleibt die Hoffnung auf eine Rückkehr der beiden Bischöfe aus Aleppo ungebrochen“, erklärte der Nahostexperte der Menschenrechtsorganisation, Kamal Sido. Zwar gingen die meisten Beobachter davon aus, dass die beiden Erzbischöfe nach so langer Zeit nicht mehr am Leben sein können, „dennoch wollen wir die Hoffnung nicht verlieren, dass sie bald nach Aleppo zurückkehren, um sich am Wiederaufbau des politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zu beteiligen“. Die beiden Bischöfe wurden 2014 auf Vorschlag der Gesellschaft für bedrohte Völker mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Damit wurde ihr Einsatz als Vermittler, Botschafter und Kämpfer für die Menschenrechte im anhaltenden Bürgerkrieg gewürdigt. Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland erinnert ebenfalls an die beiden Erzbischöfe. Der für die Aramäische Gemeinschaft traurige Jahrestag dürfe nicht in Vergessenheit geraten, heißt es in einer Mitteilung. Man hoffe weiter auf eine wohlbehaltene Rückkehr der Bischöfe.