23.01.2020

Zypern: Woche des Gebets für die Einheit der Christen

MECC: Ostjerusalem soll “Hauptstadt des unabhängigen palästinensischen Staates“ sein

Larnaca (Fides) –Angesichts der Konflikte, die den Nahen Osten verletzen, können Christen in dieser Region "das Geheimnis der Liebe Gottes", seines Mitgefühls und seiner Liebe zu jedem Menschen auch inmitten schwieriger Umstände erfahren, so eine Erklärung des Vorstands des „Middle East Council of Churches“ (MECC) der am Dienstag, 21. und Mittwoch, 22. Januar, in Larnaca (Zypern) im Rahmen der Woche des Gebets für die Einheit der Christen zusammengekommen war. An dem Treffen, das von Chrysostomos II., dem griechisch-orthodoxen Erzbischof von Zypern, ausgerichtet wurde, nahmen unter anderem auch., der griechisch-orthodoxe Patriarch, Yohanna X. und der syrisch-orthodoxe Patriarch Ignatios Aphrem II., sowie der chaldäische Patriarch Louis Raphael Sako teil.
In dem gemeinsamen Dokument, das am Ende der Arbeiten veröffentlicht wurde, wünschen die Teilnehmer des MECC-Vorstands, dass der Glaube und die Hoffnung vieler Christen im Nahen Osten, einem Gebiet, das immer noch von "blutigen Ereignissen" heimgesucht wird, geschützt wird. Gleichzeitig wird unterstrichen, dass nicht nur christliche Kirchen und Gemeinschafen, sondern ganzen Völker der Region unter der Notlage leiden. Der Rat bittet alle Mitglieder des ökumenischen Organismus, die eigen Präsenz "neben Not leidenden, vertriebenen und geflüchteten Menschen zu verstärken, die aufgrund von Gewalt und Kriegen Angehörige oder Besitztümer verloren haben, so dass die Kirchen ein Symbol der Zärtlichkeit und Nähe Gottes bleiben".
Die Mitglieder des MECC-Vorstands tauschten nicht nur Überlegungen, Bedenken und Vorschläge zur Lage der Menschen und Kirchen in verschiedenen Ländern aus, sondern hörten auch den Jahresbericht der Generalsekretärin des Rates, Frau Professor Souraya Bechealany, über die im vergangenen Jahr geleistete Arbeit und die Perspektiven und zukünftige Initiativen des ökumenischen Organismus. Die Teilnehmer des Treffens beteten auch gemeinsam dafür, dass das Schicksal von Boulos Yazigi und Mar Gregorios Yohanna Ibrahim, den beiden Erzbischöfen von Aleppo, die am 22. April 2013 in Syrien verschleppt wurden, bald aufgeklärt sein möge.
Mit Blick auf die Situationen und Ereignisse in Bezug auf einzelne Länder wurde soziale Gerechtigkeit und Bekämpfung der Korruption gefordert, die auch den Protesten im Irak zugrunde liegen. In Bezug auf Syrien unterstrich der MECC-Vorstand die Dringlichkeit, alle lokalen und internationalen Komponenten in den Prozess einzubeziehen, um den Frieden im gesamten Territorium wiederherzustellen und die Rückkehr von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen in ihre Heimat zu fördern. Explizite Unterstützung wurde auch für die Protestkundgebungen des libanesischen Volkes zum Ausdruck gebracht, die den Unmut der Bevölkerung über Korruption und das Scheitern der politischen Klasse zum Ausdruck bringen. In Bezug auf Zypern, wo der ökumenische Gipfel stattfand, wurde ausdrücklich ein Ende der Besatzung gefordert, die zur Teilung der Insel führte, während sie sich mit Blick auf die Situation in Palästina die eigene Unterstützung für diejenigen bekundeten, „die unter den Konsequenzen der Besatzung und der Apartheidspolitik“ und der wahllosen Ausweitung illegaler Siedlungen auf palästinensischem Gebiet, leiden. Gleichsam wurde die Achtung der Freiheit der Riten und Praktiken für alle Palästinenser, Christen und Muslime gefordert, vor allem auch in Ostjerusalem, in dem Dokument als "die Hauptstadt eines unabhängigen palästinensischen Staates" bezeichnet wird. Der MECC drückt auch die eigene Unterstützung für das ägyptische Volk aus, das sich von Gewalt und Extremismus befreien und das Prinzip der Staatsbürgerschaft als wesentlichen Faktor im zivilen Leben zu festigen will. "Wenn wir die Völker der Region zur Durchsetzung des Prinzips der Staatsbürgerschaft sowie der Ausübung ihrer Rechte und Pflichten einladen", heißt es in der Pressemitteilung, "erfordert dies auch eine Reform der Systeme und Gesetze", die dazu beiträgt, die nationale Einheit und die Anerkennung der Vielfalt sowie das freie Leben miteinander zu verbinden, frei von jedem Sektierertum.
Der 1974 in Nikosia gegründete Rat der Kirchen des Nahen Ostens mit Sitz in Beirut soll die Kooperation der christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten in Fragen von gemeinsamem Interesse fördern und zur Überwindung konfessioneller Kontraste beitragen.
Die maronitische Christin und Universitätsprofessorin Souraya Bechealany lehrt Theologie an der Université Saint-Joseph de Beyrouth. Sie wurde im Januar 2018 zur Generalsekretärin des MECC gewählt und unternahm brachte zusammen mit ihren Mitarbeitern einen Prozess zur Umstrukturierung des ökumenischen Organismus auf den Weg.

(GV) (Fides 23/1/2020)