23.04.2020

China: Inhaftierungen und Kirchenabriss an Ostern

Behörden gehen weiter gegen Kirchen vor

Chengdu/Xining (idea) – Trotz Corona-Krise ist die Kommunistische Partei Chinas während der Osterzeit gegen Kirchen im Land vorgegangen. Dem Hilfswerk International Christian Concern (ICC/Washington) zufolge verhafteten Sicherheitsbeamte am Ostersonntag (12. April) kurzzeitig sechs Leiter der protestantischen Untergrundgemeinde „Early Rain Covenant Church“ (Chengdu/Provinz Sichuan) während eines Online-Gottesdienstes. Die rund 5.000 Mitglieder umfassende Gemeinde war in der Vergangenheit immer wieder ins Visier staatlicher Stellen geraten. Erst am 26. Dezember 2019 hatte ein Gericht ihren Leiter Wang Yi unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu neun Jahren Haft verurteilt. Ihm wurden „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsmacht“ und „illegale Geschäftstätigkeit“ vorgeworfen. In der Nacht zum 10. Dezember 2018 waren der regierungskritische Pastor zusammen mit seiner Frau Jiang Rong und fast 100 Mitglieder der Gemeinde festgenommen worden. Die meisten wurden mittlerweile freigelassen. Einige von ihnen sagten, die Polizei habe sie gefoltert, damit sie gegen Wang aussagten. Laut ICC kann sich die Kirche seitdem nicht mehr versammeln und hatte daher zu Ostern einen digitalen Gottesdienst abgehalten. Beamte hätten diesen unterbrochen, als sie mitbekamen, dass eine Predigt von Wang Yi abgespielt wurde. Die Inhaftierten seien bereits wieder auf freiem Fuß, so ICC. Es sei nicht ungewöhnlich, dass die Behörden während christlicher Feiertage gegen die „Early Rain Covenant Church“ vorginge, jedoch könnten die jüngsten Verhaftungen auch darauf zurückzuführen sein, dass ein Kirchenmitglied Klage wegen unrechtmäßiger Belästigung und Überwachung erhoben und dazu im Internet mehrere Blogbeiträge veröffentlicht habe.

Kirche zu Ostern abgerissen

Das Hilfswerk China Aid meldet, dass chinesische Beamte zeitgleich die staatlich anerkannte Donghu-Kirche in Xining (Provinz Qinghai) abgerissen haben. Sie habe etwa 300 Gottesdienstbesucher aufnehmen können und sei damit eine der größten in der Region gewesen. Die Kirche sei 2013 staatlich registriert worden, habe dennoch immer Verfolgung durch die Behörden erlebt. Diese hätten in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, das Gebäude mit der Begründung zu schließen, es erfülle die Brandschutzanforderungen nicht und stelle damit eine Gefahr dar. Ende 2019 hätten die Behörden schließlich den Strom abgestellt und den Gemeindeleiter Li Xuejiao aufgefordert, die Kirche sofort zu schließen. Der Abriss sei für 2020 angekündigt worden. Wie ICC berichtet, hat die Kirche 2018 und 2019 mehrfach versucht, andere Räumlichkeiten zu kaufen, dies sei ihr jedoch nicht erlaubt worden. Trotz Diskriminierung und Verfolgung wächst die Zahl der Christen in der rund 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik. Sie liegt nach Schätzungen bei bis zu 130 Millionen. Davon trifft sich ein großer Teil in staatlich nichtregistrierten Gemeinden. Zum Vergleich: Die Kommunistische Partei hat 83 Millionen Mitglieder.