23.04.2020

Iran: Christliche Menschenrechtsaktivistin verurteilt

Sie hatte an einer regierungskritischen Demonstration teilgenommen

Teheran (idea) – Ein iranisches Gericht hat die christliche Konvertitin und Menschenrechtsaktivistin Mary Fathemeh Mohammadi (21) zu einer Haftstrafe von drei Monaten und einem Tag sowie zehn Peitschenhieben verurteilt. Die Strafe wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt und hängt von ihrem künftigen Verhalten ab. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation „Artikel 18“ (London). Das Urteil beziehe sich auf die Teilnahme der jungen Frau an „regierungsfeindlichen“ Demonstrationen nach dem Absturz eines ukrainischen Passagierflugzeugs im Januar. Gegenüber der Menschenrechtsorganisation sagte sie, dass es keine Beweise gegen sie gebe. Sie habe aber dennoch keine Rechtsmittel eingelegt, weil sich die iranischen Berufungsgerichte in Bestätigungsgerichte verwandelt hätten.

Nicht die erste Verurteilung

Die 21-Jährige war am 12. Januar in Teheran verhaftet worden, als sie zusammen mit Hunderten Bürgern gegen die Desinformationspolitik der iranischen Regierung zum Abschuss einer Verkehrsmaschine durch Islamische Revolutionsgarden protestiert hatte. Dabei waren 176 Menschen an Bord ums Leben gekommen. Mohammadi setzt sich seit Jahren für die Rechte der Christen im Iran ein. Deswegen war sie bereits 2017 zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach ihrer neuerlichen Verhaftung hatten die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und idea sie als „Gefangene des Monats März“ benannt. Sie kam aber unerwartet bereits am 26. Februar auf Kaution frei. 95 Prozent der über 81 Millionen Einwohner des Iran gehören zum schiitischen Zweig des Islams. Nach Angaben des christlichen Hilfswerks Open Doors liegt die Zahl der Christen bei rund 800.000.