25.03.2020

China: Der Kampf gegen Corona entartet zum Krieg der Worte

Kreuzabrisse durch Corona beendet, doch nun wieder begonnen

Aus Kirchen und Hausgemeinden

Kreuzabrisse durch Corona beendet, doch nun wieder begonnen

[CCD] Infolge der Corona-Krise hatten die Kreuzabrisse von Kirchen ein jähes Ende gefunden. Doch nun wurde in der Anhui-Provinz am 8. März das Kreuz der Hongji-Kirche in Benghu abgenommen. Ein Bild zeigt, wie ein Mann mit Atemschutzmaske das Kreuz abmontiert.

Aus Politik & Gesellschaft

XI Jinping kurz vor dem Sieg

[XH] Am 10. März wurde deutlich, dass die Corona-Epidemie in China bald besiegt sein könnte. Landesweit wurden nur noch 19 Neuinfektionen registriert, davon 17 in der Provinzhauptstadt Wuhan und bei 2 Infektionen handelte es sich um importierte Infektionen, d. h. diese Erkrankten hatten sich im Ausland angesteckt und waren nach China eingereist. Drei Tage hintereinander beschränkten sich die Inlands-Neuinfektionen außerdem ausschließlich auf die Stadt Wuhan und das letzte der 14 Nothospitäler (z. B. Sporthallen) konnte aufgelöst werden. Auf Wuhan entfielen bis dahin 49.965 Infektionsfälle von 80.754 landesweit und rund 2/3 der landesweit 3.136 Todesfälle.

Nach dieser gravierenden Wende verkündeten die staatlichen Medien: „Der Kampf geht weiter, doch der Sieg ist nahe“ und „Ein Sieg in Wuhan ist ein Sieg für die Provinz Hubei, und ein Sieg in Hubei ist ein Sieg für China.“ Unter dieser Siegesstimmung war für Präsident XI Jinping nun endlich die große Stunde gekommen, persönlich in Wuhan einen Besuch zu machen. Bekanntlich hatte sich Xi Jinping im Anfangsstadium der Krise in der Öffentlichkeit auffallend rar gemacht und lieber seinen Ministerpräsidenten LI Keqiang nach Wuhan geschickt. Aber nun konnte er sich vor medizinischem Fachpersonal, militärischen Kommandeuren, Sicherheitsoffizieren, freiwilligen Helfern, Bürgern und Patienten als der großartige Sieger gebührend feiern lassen. Dieser Ruhm wurde dann 5 Tage später noch größer, nachdem die Zahl der Infizierten außerhalb Chinas größer wurde als die Zahl der Infizierten in China.

Das jämmerliche Versagen der Behörden im Anfangsstadium der Epidemie ist in der chinesischen Öffentlichkeit wohlbekannt. Doch genau so sind die Chinesen auch fest davon überzeugt, dass nur durch die strikte und höchst rigorose Unterbindung jeglichen Kontaktes die Seuche so rasch in Grenzen gehalten werden konnte. Darin sehen sie einen großen Vorteil ihres Regierungssystems und der Macht der Kommunistischen Partei. Trotz der wohlbekannten Nachteile des allgegenwärtigen Überwachungsstaats ist aus allen direkten Kontakten mit China klar zu erkennen, dass aus der Überwindung der Corona-Krise sowohl die Partei als auch Staatspräsident XI Jinping höchst gestärkt hervorgehen werden.

Vorbildliche Vorbeugung

[XH] Ein Sprecher des Obersten Chinesischen Gerichtshofs hat am 11. Februar bekanntgegeben, dass derzeit fast 60% aller Gerichtsprozesse im Land per Videokonferenz durchgeführt werden, um zu verhindern, dass Gerichtsverhandlungen zu Ansteckungsherden der Corona-Epidemie werden können.

Der Kampf gegen Corona entartet zum Krieg der Worte

[SCMP, XH] Noch vor Wochen konnte man nur kopfschüttelnd die verbalen Entgleisungen von Präsident Trump und die Retourkutschen aus China zur Kenntnis nehmen. Trump lobte zuerst die chinesischen Aktivitäten, doch schon bald sprach er höchst abschätzig vom „chinesischen Virus“. Daraufhin sprach ZHAO Lijian, Sprechers des chinesischen Außenministeriums, davon, dass amerikanische Militärs bei einem Militärspiel in Wuhan den Virus mitgebracht hätten. Doch der chinesische Botschafter CUI Tiankai wagte es, sich persönlich von dieser Anschuldigung zu distanzieren. Inzwischen ist der Ton aber deutlich schärfer geworden trotz einer geplanten G20-Telefonkonferenz.

 

Die Pekinger Regierung hat in der italienischen Corona-Krise mit der Entsendung von medizinischem Personal und umfangreichen Materiallieferungen ausgeholfen, während Deutschland Tage zuvor den Export von medizinischer Ausrüstung strikt limitierte. Zuerst dankte Frau Van der Leyen den Chinesen noch für die gelieferte Hilfen und sprach von einem reziproken Akt für frühere Lieferungen der EU an China. Doch dann telefonierte Staatspräsident XI Jinping bezüglich Corona-Hilfen mit Frau Merkel, Herrn Macron, dem spanischen König Philippe und dem Präsidenten Vucic vom Nicht-EU-Mitglied Serbien, aber den Anruf bei Frau Van der Leyen überließ er seinem Ministerpräsidenten LI Keqiang. Daraufhin schaltete Frau Van der Leyen um und nun ist der Begriff ihres Vorgängers Jean-Claude Junker vom „systemischen Rivalen“ plötzlich präsent. Am 23. März setzte der EU-Chefdiplomat Josep Borrell dem Ganzen nicht nur die Krone auf, sondern gab einen regelrechten Warnschuss ab gegen „Chinas Politik der Großzügigkeit“ gegenüber europäischen Staaten. Er forderte die EU-Staaten auf, „bereitzustehen für einen Kampf um den Einfluss in einer globalen Schlacht“.

Diese verbalen Spielchen könnten aber bald mit noch viel härteren Bandagen weitergehen, wenn die Staaten die Rechnungen für die riesigen wirtschaftlichen und finanzpolitischen Schäden begleichen müssen. ( Eigene Anmerkungen und Kommentierungen sind kursiv gesetzt.)

Quelle: China – Informationen 2020 - 08