25.03.2020

Kamerun: „Gott und eure Gebete halten uns noch hier“

Immer wieder brutale Übergriffe durch Boko Haram im Grenzgebiet zu Nigeria

(Open Doors) „Wir fragen uns, ob wir gehen sollten, aber einige von uns haben ihr ganzes Leben hier verbracht. Wie sollten wir neu anfangen? Was ist mit den alten Menschen? Betet, dass Gott uns hilft und stärkt, um der Verfolgung standzuhalten.“ Mit dieser drängenden Bitte reagiert Paul, leitender Mitarbeiter einer Kirche im Bezirk Mayo-Sava (Nordkamerun), auf den von Boko Haram verbreiteten Terror. Mindestens fünf Menschen haben bei den jüngsten Übergriffen ihr Leben verloren, mindestens eine Kirche und viele Privathäuser wurden zerstört. „Gott und eure Gebete halten uns noch hier“, sagt Paul.

Zwei Kinder weiterhin vermisst

Zwischen dem 10. und 21. März haben mutmaßliche Boko-Haram-Kämpfer in der Region Far North erneut zugeschlagen. Das Gebiet wurde seit Ende 2015 wiederholt angegriffen. Der jüngste Vorfall ereignete sich in dem Dorf Toufou im Bezirk Mayo-Tsanaga, wo die Kämpfer mit großer Brutalität vorgingen. Gegen Mitternacht am Samstag, dem 21. März, stürmten sie das Dorf, wobei sie wahllos um sich schossen und vier Personen töteten. Aus ersten Berichten geht hervor, dass mindestens drei der Opfer Christen sind, eine Bestätigung liegt uns bislang jedoch nicht vor.

Ein Augenzeuge berichtete im Telefongespräch mit einem unserer Mitarbeiter: „Es geschah in der Nacht. Wir schliefen. Plötzlich hörten wir Schüsse, dann kamen die Soldaten und wir sind geflohen. Am Morgen haben wir vier Leichen gefunden.“ Einer der Toten sei enthauptet worden, anderen habe man Finger abgeschnitten. „Es schien, als wollten die Angreifer ihre Opfer entführen. Aber als das Militär anrückte, waren ihnen die Geiseln bei der Flucht hinderlich, darum haben sie sie umgebracht. Zwei Kinder fehlen immer noch. Wir wissen nicht, ob die Angreifer sie mitgenommen haben oder ob sie geflohen sind und sich irgendwo verstecken. Bis heute haben wir sie nicht wiedergesehen.“

Hauptsächlich Christen von den zahlreichen Angriffen betroffen

Ein weiteres Ziel der Angreifer war die Kirche der Vereinigung Evangelischer Kirchen (UEEC) in Ltreng, einem Viertel in Toufou. Nach Auskunft eines Kirchenleiters wurden außerdem etwa 50 Häuser verwüstet, geplündert und in Brand gesteckt.

Einige Tage zuvor, am 18. März, verübten mutmaßliche Boko-Haram-Mitglieder einen Angriff auf die Stadt Doulo im Bezirk Mayo-Sava der Region Far North. Sie erschossen Marie Tsaddaka, eine über 70 Jahre alte Christin, die nicht rechtzeitig fliehen konnte. Sie gehörte der örtlichen UEEC-Kirche an und hinterlässt vier Kinder sowie 26 Enkelkinder. Ihre Beerdigung fand noch am selben Tag in Doulo statt. Bei dem Angriff wurden mindestens 15 Häuser geplündert.

Im selben Bezirk hatten Angreifer bereits am 10. März mindestens 25 Häuser von Christen in dem Dorf Tayer geplündert. Seit einigen Jahren kommt es verstärkt zu Übergriffen von Boko Haram in der Grenzregion zu Nigeria (wir berichteten hier oder hier). Auch wenn die Angriffe nicht ausschließlich gegen Christen gerichtet sind, werden die in der Region lebenden Muslime in der Regel nicht angegriffen. Als unsere Mitarbeiter vor kurzem das Gebiet besuchten, war der Unterschied zwischen muslimischen und christlichen Wohnvierteln augenscheinlich: Die muslimischen Viertel waren weitgehend intakt, die christlichen beschädigt und viele der Einwohner waren auf der Flucht.

Open Doors steht den Gläubigen in der betroffenen Region mit vielfältiger Unterstützung zur Seite.

     

    Bitte beten Sie für die Christen in Kamerun:

    • Beten Sie für die unmittelbar von den Angriffen Betroffenen: die Verletzten, Hinterbliebenen und Opfer der Plünderungen – dass Jesus sie tröstet und all ihren Mangel nach seiner Gnade ausfüllt.
    • Beten Sie, dass Gott den Angriffen ein Ende setzt und die Menschen in der Region Far North schützt.
    • Beten Sie, dass Jesus die Christen von der Last des Erlebten befreit, so dass sie neu Mut fassen und ihren Glauben freimütig ausleben.
    • Beten Sie für die Angreifer, besonders die Kämpfer von Boko Haram, dass der Heilige Geist ihre Herzen bewegt und sie Jesus erkennen.