28.02.2020

Ruanda: Ilibagizia sprach auf dem Willow-Creek-Leitungskongress

Schriftstellerin Immaculée Ilibagizia: Wie ich dem Mörder meiner Familie vergab

Karlsruhe (idea) – Die aus Ruanda stammende Schriftstellerin Immaculée Ilibagizia hat am 28. Februar auf dem Willow-Creek-Leitungskongress in Karlsruhe berichtet, wie sie den Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi im Jahr 1994 überlebt hat. Dabei war ihre gesamte Familie ermordet worden. Dennoch habe sie inzwischen den Mann, der ihre Angehörigen getötet hat, im Gefängnis besucht und ihm vergeben. Sie bezeichnete es als schwer, Vergebung zu lernen. Bei diesem Lernprozess habe ihr Jesus geholfen, der ihr gezeigt habe, wie man vergeben könne. Denn er habe am Kreuz gelitten, statt „Rache zu üben und Menschen umzubringen“, obwohl er die Macht dazu besessen hätte. Von April bis Juni 1994 hatten in Ruanda radikale Angehörige der Volksgruppe der Hutu, die die Mehrheit bilden mindestens eine Million Tutsi und gemäßigte Hutu niedergemetzelt.

Lieben oder Hassen

Ilibagizia schilderte, wie sie das Morden im Haus eines befreundeten Pastors überlebte. Da dieser nicht zu den Tutsi gehört habe, hätten sich bei ihm Menschen verstecken können. Dennoch seien Bewaffnete in das Haus eingedrungen und hätten es durchsucht. Dass sie die Menschen im Versteck nicht entdeckt hätten, könne sie nur göttlichem Eingreifen zuschreiben: „Einer der Mörder wollte die Tür öffnen, hat dann aber plötzlich zum Pastor gesagt: ‚Du bist einer von uns, du würdest niemanden vor uns verstecken‘.“ Daraufhin hätten die Männer das Haus verlassen. Als sich Ilibagizia wieder ins Freie wagen konnte, erfuhr sie, dass ihre Familienmitglieder sämtlich getötet worden waren: „Nachdem ich fünf Minuten geweint habe, hatte ich das Gefühl, dass eine große Hand mich umarmt hat.“ Gott habe ihr gesagt, dass die Reise ihrer Familie im Himmel weitergehe, ihre auf der Erde aber noch nicht vorbei sei. Sie könne sich entscheiden, „zu lieben oder zu hassen“. Wenn sie die Liebe wähle, werde er sie begleiten. Seit dieser Zeit versuche sie, diese Liebe weiterzugeben und mit ihrer Geschichte dazu einzuladen, anderen zu vergeben und Versöhnung zu ermöglichen. Der Leitungskongress wurde am 28. Februar nach eineinhalb Tagen abgebrochen, weil sich ein Referent mit dem Coronavirus infiziert hat.