29.02.2020

China: "Lage der Christen differenziert betrachten"

Verleger Bühne: Meldungen von grausamer Christenverfolgung sind „schlicht falsch“

Braunfels (idea) – Zu einer differenzierten Betrachtungsweise der Lage der Christen in China hat der evangelikale Verleger und Buchhändler Wolfgang Bühne (Meinerzhagen) aufgerufen. Er sprach bei den „Tagen der verfolgten Gemeinde“ der Hilfsaktion Märtyrerkirche, die vom 26. Februar bis 1. März im mittelhessischen Braunfels stattfinden. Schätzungen zufolge seien rund zehn Prozent der 1,4 Milliarden Einwohner des Landes Christen. Zur Kommunistischen Partei gehörten nur 6,5 Prozent der Bevölkerung. Nachrichten in westlichen Medien, nach denen es im Land eine grausame Christenverfolgung gebe, seien „schlicht falsch“, so Bühne. Er reist seit 2004 mindestens einmal jährlich in das Land. Bühne zufolge wissen die Machthaber, dass die meisten Christen loyale Staatsbürger seien, die Korruption ablehnten, fleißig seien und ehrlich ihre Steuern zahlen. „So lange sie sich nicht in die Politik einmischen, wird sich der Staat nicht auf die Verfolgung seiner besten Bürger einlassen, sondern sie dulden.“

Christen haben nichts zu verbergen

Bühne räumte ein, dass die Überwachung des öffentlichen Raums durch Kameras stark zugenommen habe. Dadurch habe die Kriminalität spürbar abgenommen. Christen machten sich hinsichtlich der Überwachung keine Sorgen. Sie verträten vielmehr die Auffassung: „Wir haben nichts zu verbergen. Und vor Gott könne wir ohnehin nichts verbergen.“ In jeder größeren Stadt gebe es meist mehrere christliche Buchläden mit einem erstaunlich großen Angebot guter geistlicher Literatur.

Wo die rote Fahne gehisst werden muss

Probleme hat laut Bühne vor allem die staatlich registrierte Drei-Selbst-Kirche mit ihren bis zu 60 Millionen Mitgliedern. Ihre Gemeinden würden überwacht, müssten die Kreuze von ihren Kirchtürmen entfernen oder niedriger hängen, die rote Fahne der Kommunisten sichtbar platzieren sowie die Nationalhymne singen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sei verboten. Ähnliche Schwierigkeiten bekämen auch die Hauskirchen, wenn sie eigene Gemeindehäuser besäßen. Manche dieser Gemeinden hätten bis zu 5.000 Mitglieder. Weniger Probleme hätten die illegalen Hauskirchen im Untergrund. Sie versammelten sich in wechselnden Häusern und teilten sich in der Regel, wenn sie 150 Mitglieder hätten. Bei seinem vergangenen Besuch habe er in diesen Gemeinden täglich einen Vortrag gehalten, ohne dass es Schwierigkeiten gegeben hätte, so Bühne.

Wenn ein Pastor den Präsidenten einen „großen Sünder“ nennt

Er räumte ein, dass einzelne Christen in China durchaus Probleme bekommen könnten. So sitze der reformierte Pastor Wang Yi und einige Gemeindemitglieder von der „Frühregen Bekenntniskirche“ in Shengdu derzeit in Untersuchungshaft, weil er den Staatspräsidenten Xi Jinping in einer Predigt öffentlich als „großen Sünder“ bezeichnet habe, der „sich bekehren muss“. Er habe zwar, so Bühne, mit seinen Äußerungen recht gehabt, doch sei es fraglich, ob solche Äußerungen in einer Predigt weise seien, zumal sie auch im Internet verbreitet worden und auf große Zustimmung gestoßen seien.