29.04.2020

Nordkorea: Spekulationen über Kim Jong Un

was bewegt die Christen? Geflohener Christ beklagt einseitiges Interesse der Medien / „Ich habe der Kim-Familie vergeben“

(Open Doors, Kelkheim) – Wie geht es Kim Jong Un? Über den Gesundheitszustand des nordkoreanischen Staatschefs kursieren in den letzten Tagen zahlreiche Spekulationen. Doch welche Konsequenzen hätte ein Regimewechsel für die Christen in dem Land, das seit vielen Jahren an der Spitze des Weltverfolgungsindex steht? Was hoffen sie, wofür beten sie? Open Doors ist diesen Fragen nachgegangen, unter anderem im Gespräch mit Geflüchteten.

Was wissen wir?

Da Kim Jong Un – wie sein verstorbener Vater und Großvater – wie eine Gottheit behandelt wird, werden Informationen über ihn nur äußerst zurückhaltend veröffentlicht. Die nordkoreanische Regierung wird nur dann schlechte Nachrichten verkünden, wenn sich etwas nicht mehr leugnen lässt; und bisher hat sie über Kim Jong Uns Gesundheitszustand geschwiegen. Das ist überraschend, denn immer, wenn in der Vergangenheit in den internationalen Medien über seine Gesundheit spekuliert wurde, hat die nordkoreanische Regierung darauf mit Propaganda-Botschaften reagiert.

Wie würde sich Kim Jong Uns Tod auf die Situation der Christen auswirken?

Kim Jong Un war nicht einmal 30 Jahre alt, als er ein Land „erbte“. Die meisten Generäle und Politiker trauten ihm wegen seiner Unerfahrenheit nicht zu, das Land zu führen. Doch er arbeitete an seinem öffentlichen Image und tat dies, indem er Härte und Entschlossenheit demonstrierte – auch gegen die Christen. Eine neue Führungspersönlichkeit würde höchstwahrscheinlich dasselbe tun müssen. Die Situation für Christen und andere als Staatsfeinde eingestufte Gruppen wäre weiterhin äußerst angespannt.

Besteht unter dem derzeitigen Regime Hoffnung, dass sich die Lage der Christen bessern könnte?

Solange Kim Jong Un und seine Familie Nordkorea mit allumfassender Macht regieren, wird das Land die Christen verfolgen. Das Regime betrachtet das Christentum als ernsthafte Bedrohung für diese Machtfülle. Ein kürzlich veröffentlichter Propagandafilm mit dem Titel „Das konterrevolutionäre Wesen schamanistischer Religion und religiösen Aberglaubens“ wurde dazu benutzt, das gesamte nordkoreanische Volk im ganzen Land gegen Schamanen und Christen zu indoktrinieren.

Wie denken die nordkoreanischen Christen über die Situation?

Sie beten intensiv für die Situation. Die meisten Flüchtlinge außerhalb Nordkoreas sind sehr besorgt. Wegen der Covid-19-Beschränkungen können sie derzeit keinen Kontakt zu ihren Familien aufnehmen. Wir können nicht für alle Flüchtlinge sprechen, aber viele empfinden große Vorbehalte gegenüber der derzeitigen Führung. Es fällt ihnen schwer, Kim Jong Un und allem, was er repräsentiert, zu vergeben. Timothy Cho*, dem vor einigen Jahren die Flucht gelang, sagt dazu: „Das ist für jeden Nordkoreaner eine schwierige Frage. Aber aus meiner Glaubensüberzeugung als Christ sage ich ‚ja‘. Ich habe der Kim-Familie vergeben.“ An den aktuellen Diskussionen um Kim Jong Uns Gesundheit stört Timothy allerdings etwas:

„Als die UN-Untersuchungskommission im Jahr 2014 über die Menschenrechtsverletzungen Nordkoreas berichtete – eine Dokumentation der unsäglichen Brutalität der Kim-Familie –, zeigten nicht viele Medien weltweit Interesse. Doch nun, da derjenige verschwunden zu sein scheint, der für diese Brutalität, Unterdrückung und Verfolgung verantwortlich ist, fragen fast alle internationalen Medien danach. Wir müssen für die Menschen in Nordkorea beten und Gott bitten, sie in seine Hände zu nehmen.“

*Name geändert

     

    Bitte beten Sie für die Christen in Nordkorea:

    • Beten Sie für die Familien der Geflüchteten, die oft besonders im Visier der Behörden stehen.
    • Beten Sie für die tausenden Christen in den berüchtigten Arbeitslagern, die dort wegen ihres Glaubens unsäglich leiden.
    • Beten Sie, dass Jesus sich den Menschen in Nordkorea gerade in dieser ungewissen und schwierigen Zeit als Heiler und Erlöser offenbart.
    • Beten Sie für Kim Jong Un und die Machthaber, dass sie ihre Knie vor Jesus Christus beugen und beginnen, ihr Land in Gerechtigkeit zu regieren.