11.07.2021

China: Christen sollen weiterhin Zugang zu Bibeln haben

Weltbibelhilfe: Auch wenn es richtig ist, dass sich die Lage zuletzt stark zugespitzt hat, dürfen unseres Wissens nach Bibeln zumindest in kirchlichen Buchläden weiterhin an alle Menschen, die eine Bibel möchten, verkauft werden.

IIRF-D/Tübingen/11.07.21 – In den letzten Monaten haben wir immer wieder von der Volksrepublik China berichtet (s.u.), dass trotz der erfreulichen Zahlen an gedruckten Bibeln im Land es immer mehr Einschränkung im Blick auf den Kauf und Verkauf sowie Besitz von Bibeln gibt. Dies wird durch eine Stellungnahme der Weltbibelhilfe relativiert:

„Als Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft sind wir über unseren Weltverband (United Bible Societies) eng mit China verbunden und unterstützen dort seit vielen Jahren Bibeldruck und -verbreitung. Erst letzte Woche hatten wir wieder ein Meeting zur aktuellen Situation in China. Auch wenn es richtig ist, dass sich die Lage zuletzt stark zugespitzt hat, dürfen unseres Wissens nach Bibeln zumindest in kirchlichen Buchländen weiterhin an alle Menschen, die eine Bibel möchten, verkauft werden – ohne Registrierung o.Ä. Bei den chinesischen Bibeln, die von der Amity-Druckerei in Nanjing gedruckt und von den Kirchen in China verbreitet werden, handelt es sich um die „Chinese Union Version“. Diese wurde von Missionaren zusammen mit Chinesen und der Unterstützung der Bibelgesellschaften übersetzt und im Jahr 1919 veröffentlicht. Seither ist die „Chinese Union Version“ die de facto autorisierte Bibelversion, die von chinesischen Christen in China und weltweit genutzt wird. Den chinesischen Christen ist das Wort Gottes sehr wichtig und die christlichen Leiter und Gläubigen in China werden keine „Umschreibung der Bibel“, wie in manchen Medien berichtet, akzeptieren, die nicht auf den biblischen Texten und Wahrheiten beruht.

Seit einiger Zeit wird das Internet in China verstärkt reguliert, weshalb mehrere nicht-registrierte beliebte christliche Webseiten gesperrt wurden. Online-Bibeln sind jedoch weiterhin auf Webseiten der registrierten Kirchen und christlichen Organisationen zugänglich.

„In China dürfen Bibeln nur von offiziell registrierten Gemeinden verkauft bzw. verteilt werden. Dort kann allerdings jeder, der sich dafür interessiert, eine Ausgabe kaufen. Dadurch können auch Christen von nicht-registrierten Gemeinden ohne Probleme eine Bibel erhalten. Auch die Zahl der Bibeln, die eine Person besitzen darf, ist nicht begrenzt. Beim Kauf in einem kirchlichen Buchladen müssen keine Kontaktdaten angegeben werden. Kirchliche Buchhandlungen verkaufen keine Audio-Bibeln, doch können sie zum Beispiel über die Bible-Moment-App in China angehört oder heruntergeladen werden: https://www.ubscp.org/digital_scripture/

„Aufgrund der aktuellen Vorschriften in China dürfen in öffentlichen Buchläden oder dem Online-Handel Bibeln und andere religiöse Literatur, die von religiösen Organisationen veröffentlicht werden, nicht verkauft werden.

Insgesamt ist es so, dass gesetzliche Vorgaben von den regionalen Behörden teilweise unterschiedlich durchgesetzt werden. China ist ein riesiges Land und Vorkommnisse an einem Ort geben nicht unbedingt Aufschluss über die generelle Lage, daher sollte man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein.

„Amity Printing Company (APC), eine der größten Bibeldruckereien der Welt, erlebt aktuell keine verstärkten Restriktionen – sie ist der einzige autorisierte Hersteller für das Buch der Bücher für die Kirchen in China. Seit 1987 wurden (Stand Mai 2021) 88 Millionen Bibeln für das Inland und 131 Millionen Bibeln in über 170 Sprachen für mehr als 100 Länder produziert. APC ist ein Joint Venture zwischen der Amity Foundation und den United Bible Societies, dem Dachverband der Bibelgesellschaften, zu dem auch die Deutsche Bibelgesellschaft gehört.

„Unsere Partnerorganisation, die den Kirchen in China dient und sie unterstützt, betont immer wieder, dass es trotz zunehmender Herausforderungen, v.a. in einigen Regionen, immer noch viele Möglichkeiten für die Bibelverbreitung gibt“, sagt Horst Scheurenbrand, Leiter der Weltbibelhilfe der Deutschen Bibelgesellschaft. „In den letzten zwei Jahrzehnten wurden jährlich ca. 3 bis 4 Millionen Bibeln von Amity Printing gedruckt und von den registrierten Kirchen verteilt (z.T. kostenlos), wobei die Zahl im letzten Jahr durch die Auswirkungen der Pandemie, ausgefallene Gottesdienste und zeitweilige Schließung der kirchlichen Buchläden während des Lockdowns deutlich geringer war. Es gibt also einen legalen Weg, viele Menschen mit dem Wort Gottes durch die Kirchen in China zu versorgen; diese Chance müssen wir unbedingt nutzen, solange sie noch besteht.“ Die Weltbibelhilfe fördert seit vielen Jahren Bibeldruck und -verbreitung in China. Außerdem unterstützt sie Übersetzungen in Minderheitensprachen.“

 

www.die-bibel.de/china

https://www.ubscp.org/

http://www.amityprinting.com/en/

Soweit die Stellungnahme der Weltbibelhilfe in Bezug auf den Bibelverkauf in China, für die wir dankbar sind!

Zum Hintergrund:

Am 09.12.2019 schrieben wir unter dem Titel „China: 200 Millionen Bibeln gedruckt“:
Am 11. November wurde in der weltgrößten Bibeldruckerei in Nanjing die Fertigstellung der 200-millionsten Bibel gefeiert. Die Amity-Druckerei war im Jahr 1988 gegründet worden als ein Joint-Venture der Vereinigten Bibelgesellschaften (UBS) und der Amity-Foundation, einer Einrichtung für soziale Dienste der offiziellen Kirche Chinas. Von diesen 200 Mio. Bibeln wurden rund 86 Mio. in chinesischer Sprache gedruckt, wobei in China nach wie vor das Problem existiert, dass die Bibeln nur über die registrierten Kirchen verteilt und verkauft werden können. 
 

Am 15.08.2019 schrieben wir75 Prozent aller weltweit produzierten Bibeln werden in China hergestellt. Am 1.6.2021 berichteten wir von Überwachung total und dem Ende des digitalen Segens für die Kirchen Chinas:

Heute vor einem Jahr protestierten Menschen in Hong Kong gegen das damals in Planung gewesene „Sicherheitsgesetz“ (wir berichteten). In China gibt es zwar seit einigen Jahren eine Verschärfung der Unterdrückungsmaßnahmen gegen Religionsgemeinschaften und andere Organisationen, die größere Mengen von Menschen verbinden. … Die chinesische Regierung hat … von Anfang an auch auf die neuen Technologien gesetzt mit Videoüberwachung inklusive Gesichtserkennungsalgorithmen, DNA gestütztes Rassen-Profiling, groß angelegte Tracking-Methoden in öffentlichen Verkehrsmitteln und persönlicher Elektronik – alles um die komplette Kontrolle über die Bevölkerung zu erlangen. 2019 wurde schon das „Skynet“-Überwachungsnetz in China eingeführt (wir berichteten). Inzwischen ist auch noch eine umfassende Einschränkung der Nutzung digitaler Kommunikationsmittel umgesetzt, das man „das große Chinesische Firewall“ nennt, das anders als sie berühmte „Chinesische Mauer“ nicht auf Feinde von außen zielt, sondern „den Feind im Inneren“ bekämpfen soll.
Seit die große chinesische Firewall errichtet ist, ändern sich die Dinge für die kreativen Christen Chinas. Internationale soziale Medien, E-Mail-Anbieter und Websites christlichen Inhalts werden blockiert, ebenso Zugang zu und Kauf von Online-Bibeln. Christliche Apps sind aus den chinesischen App-Stores verbannt, der Zugang zu sicheren Netzverbindungen (VPNs) ist erschwert.
Alle digitalen Kanäle der Kommunikation sind von der Regierung überwacht. Das Smartphone ist mit dem Personalausweis verbunden. Es trackt Standort und Kontakte und ermöglicht die mobile Überwachung: Für die Nutzung jedes öffentlichen Transportmittels ist das Einlesen eines QR-Codes erforderlich.

Am 10.02.2021 berichteten wir: Die chinesische Regierung setzt ihr hartes Durchgreifen gegen den Verkauf von Bibeln fort, berichtet ein Barnabas-Kontakt, mit weiteren Restriktionen, die die Verfügbarkeit von Bibeln und anderen christlichen Büchern bei Online-Händlern und Buchhandlungen einschränken.

Seit Anfang 2021 haben Christen in China festgestellt, dass es fast unmöglich geworden ist, Bibeln und christliche Bücher über Taobao.com, Chinas größten Online-Händler, zu kaufen.

Die chinesische Regierung begann im April 2018, den Online-Verkauf von Bibeln zu blockieren, und die meisten Bibeln und christlichen Bücher wurden aus dem Verkauf auf Amazon und JD.com entfernt. Aber auch unabhängige Händler, die die beliebte Plattform Taobao.com nutzen, sind nun gezwungen, alle christlichen Bücher aus dem Verkauf zu nehmen.

"Jetzt ist es sowohl für Käufer als auch für Verkäufer extrem gefährlich, sich auf dieses Geschäft einzulassen, deshalb findet man diese [christlichen] Bücher kaum noch auf Taobao", sagte der Kontakt.

In Buchläden, die noch Bibeln verkaufen, berichtet der Kontakt, dass die Kunden jetzt ihren Namen und ihre Kontaktdaten angeben müssen, um eine Bibel zu kaufen, während in anderen Läden Bibeln komplett aus den Bücherregalen verschwunden sind.

Eine Gruppe von Christen im Südwesten Chinas wurde im Januar dieses Jahres von Regierungsbeamten verhört, nachdem sie eine Reihe von Bibeln in einer Buchhandlung gekauft hatten. Ebenfalls im Januar wurde der christliche Besitzer einer Buchhandlung in Nordchina auf ähnliche Weise verhört, weil er christliche Bücher, die in Hongkong erschienen waren, auf Lager hatte.

Die Kontaktperson erklärte, dass die Behörden das Interesse an der Bibel und insbesondere den Kauf mehrerer Bibeln als "verdächtiges Verhalten" ansehen. Das liegt daran, dass die Regierung und die meisten Chinesen "das Christentum als eine fremde Religion wahrnehmen" und die Beschränkung des Zugangs zu Bibeln als einen Weg sehen, "den westlichen Einfluss auszulöschen".

 

"Ein Christ darf nur eine Bibel behalten. Religionswissenschaftlern ist es jedoch erlaubt, mehrere verschiedene Versionen der Bibel zu besitzen. Aber sie müssen ihre Personalausweise vorzeigen, um sie zu kaufen", fügte der Kontakt hinzu.

Im Dezember 2020 wurden fünf Christen von den chinesischen Behörden in Shenzhen im Zuge der laufenden Politik der chinesischen Regierung zur Ausrottung "illegaler Publikationen" strafrechtlich verfolgt, weil sie Audio-Versionen der Bibel verkauft hatten. Das Vorgehen gegen den Online-Verkauf von Bibeln auf Amazon und JD.com im Jahr 2018 folgte kurz nach der Veröffentlichung eines Weißbuchs der Regierung zum Thema Religion, das darauf abzielte, das Christentum gemäß den "Grundwerten des Sozialismus" neu zu interpretieren, und zwar in einem Prozess der "Sinisierung" (d. h. Chinesisierung) aller christlichen Glaubensgemeinschaften und Gottesdienstformen.

Wie wir am 29.01.2021 berichteten, wird in China der Zugang zur Bibel zunehmend kontrolliert. Neue Zielscheibe des Regimes sind die Audio-Bibeln. Wer solche verkauft, riskiert mehrere Jahre Gefängnis.

In der Zwischenzeit sind im Land die neuen Religionsgesetze von 2018 und 2020 in Kraft getreten, von denen sowohl nicht registrierte als auch staatlich anerkannte Kirchen betroffen sind. Die ernannten Pastoren und die Kirchenprogramme unterliegen nun der Zustimmung des Staates. Was sich anbahnt ist beunruhigend: Die Regierung will den Inhalt der christlichen Botschaft abwägen und verändern. Für die chinesischen Christen ist diese Art der Unterdrückung gefährlicher als physische Verfolgung.

Kurz gefasst gilt heute in China jede religiöse Veranstaltung oder Aktivität, die nicht vom Staat genehmigt wird, als illegal. Deshalb wurden seit 2018 Tausende Kirchen geschlossen und eine steigende Anzahl Christen inhaftiert oder sogar «umerzogen».

Wie bekannt ist China ein immens großer Vielvölkerstaat, den die kommunistische Partei Chinas mit Gewalt (z.B. in Tibet und Xinjiang) versucht zusammenzuhalten. Es gibt einen Spruch über China, der besagt: „ Du kannst alles über China sagen – irgendwo im Staat wird es zutreffen.“

Vermutlich sind Diskrepanzen in der Berichterstattung auch durch regionale Unterschiede bedingt. So konnten wir am 12.2.2021 von der „Coronastadt“ Wuhan berichten:

Pastor Huang aus Wuhan sagt, dass die Behörden auf dem Höhepunkt der Pandemie ausdrücklich jegliche Online-Treffen oder -Bibellehre verboten haben. „Aber sie haben das nicht wirklich durchgesetzt, und sie haben unsere Website nicht abgeschaltet, also haben wir einfach weitergemacht. Sie versuchten, uns in vielerlei Hinsicht einzuschränken […]. Sie sagten uns auch, wir sollten alle unsere Online-Gebetstreffen und -Gottesdienste einstellen, aber das konnten wir natürlich nicht tun.“

Es bleibt zu hoffen, dass die Christen Chinas immer den nötigen Raum finden, kirchliches Leben zu gestalten, und dass die beabsichtigten Restriktionen sich nicht durchsetzen können.