09.06.2021

Pakistan: EU Parlament beeinflusst Entlastung vor Gericht für Christliches Ehepaar

Lobbyarbeit für in Pakistan wegen "Blasphemie"-Anklage endet in Freispruch

IIRF-D/Tübingen/09.06.2021 - Im Mai 2021 hatte das Europäische Parlament auf die Notlage von Shafqat und Shagufta aufmerksam gemacht und wies auf den Mangel an Beweisen hin, die ihre Verurteilung gerechtfertigt hätten. So konnte aus Sicht der EU das Urteil nicht aufrechterhalten werden.

Das christliche Ehepaar, das, seit es 2014 wegen "Blasphemie" verurteilt wurde in Pakistan in der Todeszelle saß, ist in einer Berufungsverhandlung vor dem Lahore High Court von allen Anklagepunkten freigesprochen worden (wir berichteten).

Dieser Fall zeigt einmal wieder, wie die Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen, wozu die Religionsfreiheit als ursprüngliches Menschenrecht gehört, wichtig und hilfreich ist. Es macht einen Unterschied, wenn politische Instanzen im Westen ihre Stimme erheben zum Schutz der Religionsfreiheit und anderer Menschenrechte.

Shafqat Emmanuel und seine Frau Shagufta Kausar (auch bekannt als Shagufta Masih) waren verurteilt worden, weil sie blasphemische Textnachrichten verschickt hätten, obwohl beide Analphabeten sind.

Das Paar, das vier Kinder hat, hat die Vorwürfe gegen sie immer bestritten.

Sie wurden im April 2014 nach Paragraf 295-C des pakistanischen Strafgesetzbuches zum Tode verurteilt, der seit einer Entscheidung des Verfassungsgerichts im Jahr 1991 eine obligatorische Todesstrafe für "abfällige Bemerkungen" gegen Mohammed, den Propheten des Islam, vorsieht. Glücklicherweise ist die Todesstrafe noch nicht in Pakistan durchgeführt worden, sondern die Verurteilten werden auf unbestimmte Zeit in Todeszellen festgehalten unter einem Damoklesschwert – sie können nie wissen, ob und wann die Todesstrafe an ihnen vollzogen wird.

Anklagen lösen häufig Mobgewalt und sogar Tötungen aus. Christen, die von den Vorwürfen freigesprochen wurden, leben in Angst vor Angriffen durch eifrige muslimische Extremisten und können oft nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren. Die Justiz sieht es wohl als für die beste Lösung an, Angeklagte zu verurteilen und wegzusperren. Es gab aber auch schon Fälle von Lynchjustiz in pakistanischen Gefängnissen.

Pakistans berüchtigte "Blasphemie"-Gesetze (Abschnitt 295 des pakistanischen Strafgesetzbuchs) werden oft dazu benutzt, falsche Anschuldigungen zu erheben, um persönlichen Groll zu befriedigen. Christen sind besonders gefährdet, da die bloße Äußerung ihres Glaubens als "Blasphemie" ausgelegt werden kann und die unteren Gerichte in Übereinstimmung mit der Scharia (islamisches Recht) in der Regel die Aussage von Muslimen bevorzugen.

Quellen: AKREF/Barnabas Fund 2. Juni 2021