17.09.2016

Marsch für das Leben: Neuer Rekord: 7.500 Teilnehmer

CDU-Abgeordneter Hüppe: Inklusion vor und nach der Geburt

Etwa 1.300 Polizeibeamte sperrten die Demonstrationswege weiträumig ab. Foto: idea/kwerk.eu/idea

Berlin (idea) – Mit einem neuen Teilnehmerrekord ist der 12. „Marsch für das Leben“ am 17. September in Berlin zu Ende gegangen. Nach Angaben des Bundesverbandes Lebensrecht, einem Zusammenschluss von 13 Organisationen, beteiligten sich an der überparteilichen und ökumenischen Aktion 7.500 Personen. Das waren 500 mehr als im Vorjahr. Etwa 1.300 Polizeibeamte sperrten die Demonstrationswege weiträumig ab. Ein Polizeisprecher sprach gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur idea von einem „weitgehend störungsfreien“ Verlauf. Allerdings wurde der Abschlussgottesdienst vor dem Reichstagsgebäude durch lautstarke Musik von Gegnern des Marsches massiv gestört. Einige Gegendemonstranten versuchten zudem, sich unter die Schweigemarsch-Teilnehmer zu mischen. Dies verhinderte die Polizei. Zu einer Gegendemonstration mit 1.500 Teilnehmern hatte ein „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ aufgerufen. Darunter waren Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, der Partei „Die Linke“ sowie der SPD. Die Gegenaktion wurde unter anderen vom Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller (SPD), sowie der Vorsitzenden der Linkspartei, Katja Kipping, unterstützt.

Pfarrer im Abschlussgottesdienst: Christophobie schreitet voran

Der evangelische Pfarrer und Dozent Werner Neuer (Bettingen bei Basel) sagte im ökumenischen Abschlussgottesdienst, die „Christophobie“ in Deutschland schreite voran. Man könne sie hören, sagte er in Anspielung auf das Hup- und Pfeifkonzert von Gegendemonstranten. Neuer forderte dazu auf, volles Vertrauen auf Gott zu setzen. Jeder Mensch sei ein Geschenk Gottes von unendlichem Wert. Diese Erkenntnis sei jedoch bei vielen verloren gegangen. Christen hofften darauf, in einer neuen Welt ohne Hass, Gewalt, Mord und Tod zu leben. Zu diesem Leben lade man alle Menschen ein, auch die Gegner, so Neuer.

Bundesverband Lebensrecht für ein Europa ohne Abtreibung und Euthanasie

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrechts, Martin Lohmann (Bonn), sprach sich bei der Auftaktveranstaltung für ein „Europa ohne Abtreibung und Euthanasie“ aus. Jeder Mensch habe das Recht auf Leben. Nötig sei ein klares Nein zur Selektion von Menschen. Er erinnerte an 100.000 Ungeborene, die in Deutschland jährlich abgesaugt, verätzt und abgetrieben würden. Kritiker des Marsches forderte Lohmann zum „Dialog mit Argumenten, nicht mit Exkrementen“ auf. Auf der Internetseite „Codename Kot“ hatten Gegner des Marsches dazu aufgefordert, ihn zu einem „stinkenden Sündenpfuhl“ zu machen. Als Hilfsmittel seien „Stinkbomben, Furzspray, Gülle und alles, was das Haltbarkeitsdatum lange überschritten hat“ erlaubt.

CDU-Abgeordneter Hüppe: Inklusion vor und nach der Geburt

Der Bundestagsabgeordnete und frühere Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe (CDU), plädierte für „Inklusion vor und nach der Geburt“. Die Lebensrechtsbewegung setze sich dafür ein, dass die Würde des Menschen nicht angetastet werde. Inzwischen werde sie auch von ihren Gegnern ernst genommen. Der Vorsitzende der christlichen Organisation „Ärzte für das Leben“, Paul Cullen (Münster), warnte davor, Menschen mittels vorgeburtlicher Diagnostik und Selektion in „verschiedene Güteklassen“ einzuteilen. Es bestehe die Gefahr, dass die Gesellschaft ungetestete Schwangerschaften künftig für unverantwortlich halte.

Zwei katholische Bischöfe und drei Weihbischöfe unter den Teilnehmern

An dem Schweigemarsch nahmen fünf katholische Spitzenvertreter teil. Der Bischof von Regensburg, Rudolf Voderholzer, würdigte die Teilnehmer des Marsches als „Lobbyisten des Lebens“: „Wir sind nicht gegen jemanden, sondern für das bedingungslose Lebensrecht jedes Menschen.” Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte, der Mensch dürfe sich weder am Anfang noch am Ende zum Herren über das Leben machen. Es sei ein Geschenk Gottes. Ferner wirkten die Weihbischöfe Matthias Heinrich (Berlin), Dominikus Schwaderlapp (Köln) und Florian Wörner (Augsburg) mit. Der Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx (München), schickte ein Grußwort. Für den evangelikalen Dachverband, die Deutsche Evangelische Allianz, beteiligten sich der Generalsekretär, Hartmut Steeb (Stuttgart), und der Zweite Vorsitzende, Ekkehart Vetter (Mülheim/Ruhr). Der Präses des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland, Ansgar Hörsting (Witten), sandte ein Grußwort. Ihre Unterstützung hatten auch mehrere Abgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt, darunter deren Vorsitzender, Volker Kauder.

Drei evangelische Bischöfe grüßten schriftlich – Bischof Dröge distanzierte sich

Von landeskirchlicher Seite grüßten in Schreiben der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart), sein sächsischer Kollege Carsten Rentzing (Dresden) und der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern der Nordkirche, Hans-Jürgen Abromeit (Greifswald). Hingegen hatte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, davon abgeraten, am Marsch teilzunehmen. Er sei „etwas kritisch auch der Art und Weise gegenüber, wie das an sich wichtige Thema Lebensschutz durch diese Organisatoren auf die Straße gebracht wird“, so Bischof Markus Dröge gegenüber dem Radio Berlin-Brandenburg. Es helfe betroffenen Frauen und Familien nicht, auch behindertes Leben zur Welt zu bringen, wenn man starken moralischen Druck erzeuge.