16.10.2018

Deutschland: Pfarrer umgeht Verbot einer israelkritischen Ausstellung

Köln: Umstrittene Schau wurde stattdessen auf dem Chlodwig-Platz gezeigt

Köln (idea) – Der Pfarrer der Lutherkirche in der Kölner Südstadt, Hans Mörtter, hat das Verbot einer israelkritischen Ausstellung umgangen. Das geht aus einem Bericht auf der Internetseite der Kirchengemeinde hervor. Ursprünglich sollten in der Kirche am 12. Oktober 16 Schautafeln mit Texten und Bildern über die „Entwicklung in Palästina von 1900 bis zur heutigen Zeit aus palästinensischer Sicht“ aufgestellt werden. Das hatte der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Köln, Pfarrer Rolf Domning, untersagt. Es bestehe die Befürchtung, dass die Schau „eine einseitige und unzureichend reflektierte Schuldzuweisung gegenüber Israel“ enthalte und „antisemitische Tendenzen verstärken“ könne, hieß es zur Begründung in einer Pressemitteilung des Kirchenkreises vom 10. Oktober. Statt der Ausstellungseröffnung lud Mörtter daraufhin zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Nicht-Ausstellung“ ein. Die 16 Tafeln seien zwar in der Kirche aufgestellt worden, „aber mit der Vorderseite zum Altar, sodass nur die Rückseite zu sehen war“. Anschließend hätten verschiedene Besucher der Veranstaltung von ihren Erfahrungen in den Palästinensergebieten erzählt. Einige von ihnen hätten geschildert, wie „die palästinensische Bevölkerung von jüdischen Siedlern terrorisiert“ werde. Eine junge Jüdin, die ihren Militärdienst in Israel abgeleistet hat, habe aber auch von „Fehlverhalten und von Verbrechen der palästinensischen Hamas“ berichtet.

Pro-israelische Demonstrantin wurde angegriffen

Mörtter kündigte bei der Veranstaltung an, die Ausstellung werde „in den öffentlichen Raum verlagert“, da sie in der Kirche nicht gezeigt werden dürfe. Daraufhin seien die Schautafeln am darauffolgenden Tag für eineinhalb Stunden auf dem Kölner Chlodwigplatz aufgestellt worden. Am Rande der Aktion kam es nach einem Bericht der „Bild-Zeitung“ zu einem Angriff auf eine pro-israelische Demonstrantin. Sie hatte unter anderem mit einem Schild „Pfarrer Mörtter schürt Judenhass“ und israelischen Flaggen gegen die Ausstellung demonstriert. Eine Frau habe sie angegriffen und ihr eines der Fähnchen entrissen. Die Polizei habe bestätigt, dass es einen Zwischenfall gegeben habe. Die Art der Tatbeteiligungen und auch, von wem die Konfrontation ausging, sei aber noch Gegenstand der Ermittlungen.