24.11.2021

Iran: Oberster Gerichtshof überprüft Gefängnisstrafen für Konvertiten

Iranische Christen sind ermutigt, dass das Oberste Gericht in Teheran heute (24. November) dem Anwalt von neun christlichen Konvertiten aus Rasht mitgeteilt hat, dass ihre fünfjährigen Haftstrafen überprüft werden.

IIRF-D/MEC/24.11.21 – In einem Richtungsweisenden Urteil wird die zukünftige Behandlung von christlichen Konvertiten vom Islam im Iran womöglich rechtlich neu definiert.

Wie Middle East Concern berichtet, wurden die neun betroffenen Konvertiten vom Islam Anfang 2019 in vier separaten Razzien innerhalb eines Monats verhaftet und am 24. Juli 2019 vor Gericht gestellt, weil sie gegen die nationale Sicherheit verstoßen und für das zionistische Christentum geworben haben sollen. Khalil Deghanpour, Hossein Kadivar, Pastor Abdolreza (Matthias) Haghnejad, Kamal Naamanian, Mohammad Vafadar, Mohammad (Shahrooz) Eslamdoust, Babak Hosseinzadeh, Mehdi Khatibi und Behnam Akhlaghi wurden jeweils zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Nach einer Meinungsverschiedenheit über einen Verteidiger wurden Matthias, Shahrooz, Babak, Behnam und Mehdi ins Evin-Gefängnis verlegt, während die anderen vor einer Berufungsverhandlung eine vorzeitige Entlassung erhielten. Im Februar 2020 bestätigte das Berufungsgericht die Urteile, ohne dass die Angeklagten oder ihre Anwälte anwesend waren. Hossein, Khalil, Kamal und Mohammed kamen am 2. Juni 2020 zu den anderen ins Evin-Gefängnis.

Am 17. August 2021 wurde Matthias nach Anzali verlegt, wo er näher bei seiner Familie ist. Die anderen Christen sind nach wie vor im Evin-Gefängnis inhaftiert - eine mehr als vierstündige Autofahrt für Familienbesucher aus Rasht, wodurch ihre Rechte auf Familienbesuche verletzt werden.

Am 3. November 2021 (aber erst am 24. November bekannt gegeben) ordnete der Oberste Gerichtshof in Teheran eine Überprüfung ihrer Urteile mit der Begründung an, dass die Förderung des Christentums und der "zionistischen Evangelisation" in Privathäusern kein Beispiel für "Zusammenrottung und geheime Absprachen gegen die innere oder äußere Sicherheit" sei, wie es im ursprünglichen Urteil hieß. Außerdem erfüllt dieser Fall nicht die Definition der Bildung von Gruppen zur Störung der nationalen Sicherheit im Sinne der Artikel 499 und 500 des Strafgesetzbuchs. Außerdem gelten die Förderung des Christentums und die Gründung einer Hauskirche nach dieser Rechtsauffassung nicht als Straftaten. Die Überprüfung wird von einem Revolutionsgericht durchgeführt.

Aus dem Gerichtsdokument geht hervor, dass der rechtliche Status von christlichen Konvertiten im Iran von der Justiz neu bewertet wird. Das Ergebnis der Überprüfung könnte sich als ein sehr wichtiger Präzedenzfall für ähnliche Strafverfahren erweisen.

Bitte beten Sie dafür, dass die Überprüfung dazu führt, dass:

- die Situation der neun Konvertiten nach den vom Obersten Gerichtshof vorgegebenen Kriterien fair beurteilt wird

- Mitglieder von Hauskirchen nicht länger kriminalisiert oder vom Staat schikaniert werden.

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