03.07.2026

Ukraine: Baptist und Kriegsdienstverweigerer mutmaßlich getötet

Norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18“ erhebt Vorwürfe

Oslo/Kiew (IDEA) – Auf schwere Menschenrechtsverletzungen an Kriegsdienstverweigerern in der Ukraine macht die norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18“ (Oslo) aufmerksam. In einer Mitteilung schildert sie das Schicksal des 50-jährigen Baptisten Dmytro Koval (Lublynets/Nordwestukraine). Er war bei einem Spaziergang am 1. März festgenommen worden. Gegenüber den Behörden verwies er darauf, dass er als Christ aus Gewissensgründen keinen Wehrdienst leisten könne, aber bereit zu einem Zivildienst sei, den es aber derzeit in dem Land nicht gibt. Die Behörden übergaben ihn dem Militär, das ihn zum Sturmregiment „Skelya“ schickte. Nach Angaben von Forum 18 wurde er dort wiederholt misshandelt, so dass er am 21. März starb. Sein Leichnam wurde seiner Witwe Iliya übergeben. Sein Gesicht sei jedoch so sehr entstellt gewesen, dass sie ihn nur anhand seiner Muttermale und anderer äußerlicher Merkmale identifizieren konnte. Sie forderte die Polizei auf, seinen Tod wegen Mordes und Folter zu untersuchen. Den Angaben zufolge verweigerten die Behörden gegenüber Forum 18 die entsprechenden Auskünfte zu dem Fall. Der Organisation zufolge sind derzeit mindestens 49 weitere Baptisten wegen Kriegsdienstverweigerung inhaftiert sowie zahlreiche weitere Angehörige christlicher Gemeinschaften.

Registrierter Baptistenbund: Keine Aussagen zur Todesursache

Der Vizepräsident des größten und staatlich registrierten Baptistenbundes in der Ukraine, Igor Bandura (Kiew), bestätige gegenüber IDEA den Fall, machte aber zugleich darauf aufmerksam, das das Opfer einer staatlich nicht registrierten Baptistengemeinde angehört habe. Nach seinen Worten ist wegen des Todes von Koval offiziell ein Strafverfahren eingeleitet worden. Bandura: „Alle warten derzeit auf die Entscheidung des Gerichts.“ Bis ein Urteil vorliege, könnten er und sein Bund „keine definitiven oder offiziellen Aussagen zur genauen Todesursache treffen“. Auch für die 49 wegen Kriegsdienstverweigerung inhaftieren Baptisten könne er keine verbindlichen Angaben machen. Unter den Mitgliedern seines Bundes gebe es derzeit Strafverfahren gegen sechs Männer. Wie er dazu anmerkte, gibt es in der Ukraine zwar ein Gesetz zum zivilen Ersatzdienst für Kriegsdienstverweigerer, das aber durch das aktuelle Kriegsrecht außer Kraft gesetzt ist. Bandura: „In der Ukraine haben Regierung und Parlament eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um einen neuen Gesetzentwurf zur Lösung dieses Problems auszuarbeiten. Aus unserer Sicht verläuft dieser Gesetzgebungsprozess jedoch viel zu langsam.“ Sein Bund verfolge jeden einzelnen Fall sehr genau: „Wir bieten ihnen proaktiv umfassenden Rechtsbeistand, juristische Vertretung und seelsorgerliche Begleitung an.“ Zur Allukrainischen Union der Vereinigung der Evangeliumschristen-Baptisten gehören über 2.300 Gemeinden mit mehr als 115.000 Mitgliedern. Daneben gibt es die Bruderschaft unabhängiger Baptistengemeinden mit über 100 Gemeinden und rund etwa 11.000 Mitgliedern sowie völlig unabhängige Gemeinden.