06.07.2026
Deutschland: Erneuter Anschlag auf ehemaliges freikirchliches Café
Leipzig: Geschlossenes „Stay“-Café mit Parolen und Anarcho-Zeichen beschmiert
Leipzig (IDEA) – Auf das frühere Café „Stay“ der freikirchlichen Zeal Church im Leipziger Stadtteil Reudnitz ist erneut ein Anschlag verübt worden. Unbekannte beschmierten in der Nacht zum 5. Juli die Schaufenster und die Fassade des inzwischen geschlossenen Cafés mit Anarcho-Zeichen – einem A in einem O – sowie Grafittibotschaften wie „Verpisst euch“, „Schweine“ und „Stonewall was a riot“ (Stonewall war ein Aufstand). Der Satz verweist auf die sogenannten Stonewall-Unruhen im Jahr 1969 in New York. Damals wehrten sich Besucher nach einer Polizeirazzia in der Schwulenbar „Stonewall Inn“ gegen Polizeigewalt und Diskriminierung. Dieses Ereignis gilt als der Startpunkt der modernen weltweiten LGBTQ-Bewegung.
160.000 Euro Schulden durch Angriffe
Das Café hatte Ende Juni nach einer Serie von Angriffen geschlossen. Nach Angaben des Pastors der Zeal Church, René Wagner, war es in etwas über zwei Jahren insgesamt 26-mal attackiert worden – unter anderem mit Buttersäure, eingeworfenen Fensterscheiben und Schmierereien. Nach den Buttersäure-Anschlägen kam es zu mehrwöchigen Schließzeiten. Der Umsatz habe sich danach nicht mehr erholt. Die Betreiber hatten nach eigenen Angaben ursprünglich 100.000 Euro in das Café investiert. Zuletzt hätten sich Schulden in Höhe von rund 160.000 Euro angehäuft. Wegen der anhaltenden Angriffe, Reparaturkosten, Investitionen in Sicherheit und Umsatzrückgängen sei der Betrieb nicht mehr fortzuführen gewesen. Den sieben Mitarbeitern wurde gekündigt. Zudem rufen die Verantwortlichen über die Internetseite „GoFundMe“ zu Spenden auf, um die aufgelaufenen Schulden zu begleichen.
„Antichristliche Hassverbrechen“
Das Café war nach Darstellung der Gemeinde nicht als ausdrücklich christliches Lokal gedacht, sondern als Begegnungsstätte für den Stadtteil. Pastorin Deborah Wagner sagte gegenüber IDEA: „Wir sind kein christliches Café, aber unsere Werte sind christlich.“ Kritiker warfen den Betreibern Queerfeindlichkeit vor. Wagner wies das zurück: „Wir sind niemals in irgendeiner Weise feindlich. Alle sind willkommen, wir machen da keinen Unterschied.“ Das Einzige, was man der Gemeinde vorwerfen könne, sei, dass sie keine gleichgeschlechtlichen Trauungen vornehme. Pastor René Wagner hatte angesichts der Angriffe erklärt: „Ich wünsche mir, dass antichristliche Hassverbrechen die gleiche Aufmerksamkeit bekommen wie andere Gewalttaten.“ Die Zeal Church gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP).