13.07.2026
Europäische Evangelische Allianz: Evangelikale sind keine Extremisten
Der Dachverband distanziert sich vom „Christlichen Nationalismus“
Bad Blankenburg (IDEA) – Die Europäische Evangelische Allianz (EEA) hat sich gegen die Gleichsetzung von Evangelikalen mit einer rechtsradikalen politischen Gesinnung gewandt. In einer Grundsatzerklärung mit dem Titel „European Evangelicals in Public Life“ (Europäische Evangelikale im öffentlichen Leben) beklagt der Dachverband, dass der Begriff „evangelikal“ in der öffentlichen Debatte zunehmend mit rechter Politik in Verbindung gebracht werde. Zur Verwirrung trügen unter anderem die US-amerikanische Medienberichterstattung sowie die Verwendung von „evangelikal“ als politisches Etikett bei. Zudem werde ein ausgrenzender Nationalismus mitunter mit christlicher Identität verschmolzen. In manchen Kontexten würden Evangelikale gar als gefährliche Extremisten dargestellt. Solche Darstellungen verzerrten jedoch das tatsächliche Bild grundlegend, heißt es in der Erklärung.
In der Tradition der Reformation und der Erweckungsbewegungen
Evangelikale in Europa verstünden sich als Teil der 2.000-jährigen christlichen Tradition, deren spezifische Identität aus der Reformation und den evangelikalen Erweckungsbewegungen der folgenden Jahrhunderte hervorgegangen sei. Der Begriff leite sich vom „Evangelium“ – der Guten Nachricht – ab. Die Bewegung sei vielfältig, multiethnisch und weltweit vernetzt. Da alle Menschen nach dem Ebenbild Gottes geschaffen seien, setzten sich Evangelikale auch für sie ein – etwa für Migranten, Asylbewerber und Flüchtlinge ebenso wie für Arme, Gefangene, Ungeborene, Kinder, Behinderte, Sterbende, Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung, religiöse Minderheiten sowie Menschen mit Suchterkrankungen oder in sozialer Isolation. Dabei gehe es nicht um eine „politische Ideologie“, sondern eine in sich schlüssige „Ethik der Menschenwürde“, heißt es in dem Papier. Der gesellschaftliche Beitrag der Evangelikalen in Europa gehe weit über das hinaus, was ihre zahlenmäßige Größe erwarten lasse: Sie speisten Hungrige, versorgten Kranke, beherbergten Obdachlose, unterstützten Kriegsopfer und setzten sich für die Achtung der Menschenrechte ein.
Strikt überparteilich
Als Dachverband nationaler Allianzen, Organisationen, Netzwerke und Kirchen sei die EEA „strikt überparteilich“. Einzelne Evangelikale wählten und engagierten sich in unterschiedlichen Parteien. Evangelikale verträten zwar Ansichten, die andere für inakzeptabel hielten. Doch solange sie nicht versuchten, diese Andersdenkenden aufzuzwingen, gehöre das zur Pluralität in der Demokratie. Die Geschichte habe die Evangelikalen in Europa gelehrt, welche Gefahren entstünden, wenn Kirche und Politik zu eng verflochten seien. Ihre Loyalität gelte im Zweifel immer Gott und keinem politischen Führer, keiner Partei und keiner Nation.
Gegen „Christlichen Nationalismus“
Deutliche Worte findet die Erklärung mit Blick auf den „Christlichen Nationalismus“. Die Liebe zur eigenen Nation sei zwar kostbar, solange sie nicht dazu führe, dass man andere hasse oder ihnen schade. Es sei auch gut, christliche Ideen in die gesellschaftliche Debatte einzubringen – so wie auch andere ihre Überzeugungen einbrächten. Das Christentum habe die Entwicklung aller europäischen Nationen tiefgreifend und positiv geprägt. Die überwältigende Mehrheit der Evangelikalen in Europa lehne „Christlichen Nationalismus“ jedoch ab, wenn er mit der Vorherrschaft der Christen, Zwang, Intoleranz und Ausgrenzung einhergehe, das Christentum auf nur eine politische Ideologie festlege oder dem Prinzip „der Zweck heiligt die Mittel“ folge. „Es bereitet uns große Sorge, wenn das Christentum – einschließlich des Evangelikalismus – für parteipolitische Zwecke instrumentalisiert wird.“ Noch schlimmer sei es, wenn der Glaube für nationalistische, fremdenfeindliche oder militaristische Ziele vereinnahmt werde. Die Bibel dürfe niemals dazu benutzt werden, Handlungen zu rechtfertigen, die dem Leben, Vorbild und der Lehre Jesu widersprächen. Die EEA wende sich gegen jede politische Bewegung, die absolute Loyalität einfordere, die demokratischen Kontrollmechanismen untergrabe, das Völkerrecht missachte oder Menschen – auch Migranten, Sträflinge oder Angehörige von feindlichen Nationen – nicht gleichwertig behandle. Die EEA mit Sitz im thüringischen Bad Blankenburg vertritt heute nach eigenen Angaben 20 bis 25 Millionen Evangelikale in Europa.